Seite:Adolf von Stählin - Predigt über Evang. Lucä 21,33.pdf/10

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eindrängen auf den edlen süßen labenden Kern! Er wird auch uns erquicken, wie er schon Millionen erquickt hat.

 Es ist die Herrlichkeit der heiligen Schrift


II.

auch eine Herrlichkeit, die durch alle Zeiten hindurch leuchtet. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht“. Alles wandelt und wechselt; alle Geschichte dieser Welt, so mächtig und stolz ihre Wogen auch oft gehen, ist und bleibt für sich allein ohne Gottes Reich und Gottes Wort eine Geschichte von der Vergänglichkeit aller Größe, Pracht und Herrlichkeit dieser Erden. Aber unter diesem Wandel und Wechsel entfaltet Gottes Wort eine göttliche und unvergängliche Herrlichkeit, und feiert seine Siege über alle Mächte des Irrthums und Verderbens, über Sünde, Noth und Tod, über alle Mächte dieser Welt in allen Zeiten und unter allen Völkern. Das ist gerade die wunderbare Art der Bibel, daß sie für das Menschen-Geschlecht und das Menschen-Wesen in seinem ganzen Umfang und allen seinen Beziehungen, für jeden Stand, jedes Alter, jedes Volk, jede Zeit, jede Bildungsstufe geschaffen ist. Da ist kein Volk so roh und ungeschlacht, daß das Wort seine Art nicht sittigen und sein Wesen nicht mildern könnte, da ist aber auch kein Volk und keine Zeit so fortgeschritten in Kunst und Wissenschaft, um die Bibel als Fundament aller wahren Erziehung und Cultur entbehren zu können, wie ja auch einer hat sagen müssen, der wie keiner mehr auf der Höhe weltlicher Kunst und Bildung gestanden. Da schauen wir hier, wie die Bibel einem Volke so recht zum Lebensbrod geworden ist, wie sein häusliches und öffentliches Leben von Gottes Wort als einem Sauerteig durchdrungen und ihm dadurch überschwänglicher Segen zugeführt wird; da schauen wir dort, wie dieselbe gerade in der sittlichen Fäulniß und Verkommenheit, die ihre Verwerfung und Unbekanntschaft im Ganzen nach sich gezogen, als ein erhaltendes, dem Verderben wehrendes Salz still und verborgen im einzelnen wirkt.