Seite:Adolf von Stählin - Predigt über Evang. Lucä 21,33.pdf/3

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Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen! Amen.
Text: Ev. Lucä 21, 33.

 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.

 So, in Christo Geliebte, sprach unser Herr und Heiland kurz vor seinem Leiden und Sterben, als er mit seinen Jüngern auf dem Oelberg bei Jerusalem saß. Er schaute an die Stadt, deren Kinder er so oft versammeln wollte, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel, er schaute an den Tempel, in dem er so oft das Evangelium des Friedens verkündet, sah schon Heraufziehen die dunkeln Wetterwolken, die alsbald verderbend über der Stadt und dem Tempel sich entladen sollten, er sah das Gericht nahen dem Volk, das in Unglauben gegen seinen Heiland sich verstockt und ihn, den Herrn der Herrlichkeit, ans Kreuz schlägt. Er schaute aber auch hinaus auf den Fortgang seines Werkes und die Entwicklung seines Reiches unter viel Kampf und Trübsal, auf die Schrecknisse der letzten Zeit, auf seine eigene Wiederkunft in großer Kraft und Herrlichkeit zum Gericht und zur Erlösung. Und auf all das, was er im Blick auf die nähere und fernere Zukunft sagt, setzt er ein heiliges Siegel: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.“ So ist’s sein Wort, an welches seine Jünger sich halten sollen als an einen unbeweglichen Hort. Wenn er