Seite:Adolf von Stählin - Predigt über Evang. Lucä 21,33.pdf/4

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selbst nun alsbald sein Haupt im Tode neigt, wenn er auch auferstanden in Kraft doch heimzieht zu seinem Vater und eintritt in ein unsichtbares Leben: so soll den Seinen dieß Wort das helle Licht sein, welches ihnen voranleuchtet auf ihrem Kreuzespfade, die unvergängliche Gotteskraft, welche sie füllt und trägt unter allen Schrecken des vergänglichen Wesens bis zum Ziele ihrer ewigen Herrlichkeit.

 Das Wort des Herrn nun, Geliebte, wie wir es haben in der heiligen Schrift, ist’s, woran auch unsere Kirche sich halten will, das Wort ist der Fels, aus welchem sie erbaut ist und des Brunnen Gruft, daraus ihre Lebenswasser strömen. Aus dem Worte füllt sie ihre Lebensadern, und aus seiner reichen Fülle will sie geben als eine liebende Mutter all ihren Kindern, ja möchte als eine demüthige, geduldige Magd mit dieser Lebensspeise allen nahe kommen, auch denen, die ihr den Rücken gewendet, daß sie nicht verdürben im Hunger. Dieses heiligen Liebesdienstes der Kirche in der Darreichung des göttlichen Wortes, in der Verbreitung des Bibelbuches gedenken wir heute als an unserm Bibelfeste; ja wir nehmen diese Arbeit heute von neuem auf und wollen uns gemeinsam zu derselben stärken, daß unser Eifer nicht ermatte und unsre Liebe zu dem wichtigen Werke nicht erkalte. Der Herr kam ja ein Feuer anzuzünden auf Erden durch die That seiner Liebe und das Wort von seiner Liebe. Dieß himmlische Liebesfeuer soll brennen und leuchten bei jedem Werk, das wir zu seines Namens Ehre treiben, soll zuvor in dem eigenen Herzen der Arbeiter einen Heerd haben, um seine zündenden und wärmenden Strahlen von da aus andern mitzutheilen. Unser Eifer und unsere Liebe wird aber in dem Maaße wachsen, als wir selber klar erkennen, was wir an der heiligen Schrift haben, und uns von Herzen bekennen zu der theuern Himmelsgabe des göttlichen Wortes, zu seiner unvergänglichen Herrlichkeit. Mit solchem Bekenntnisse können wir den heutigen Tag in allen Würden feiern und der Gegenstand meiner Betrachtung sei deßhalb: