Seite:Adolf von Stählin - Predigt über Evang. Lucä 21,33.pdf/6

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bis zum hellen Mittag in dem Buch versiegelt mit sieben Siegeln. Und diese Sonne sie gehet nimmer unter, sie wird fortleuchten, wenn auch des Himmels Klarheit verbleicht und der Erden Herrlichkeit zerstäubt.

 Und warum vergehen denn Himmel und Erde und vergeht nimmer Gottes Wort? Alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorret und die Blume ist abgefallen, aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit, sagt das prophetische und apostolische Wort. Siehe, der Mensch ist Fleisch und des Menschen Herrlichkeit ist wie des Grases Blume. Der Mensch ist aber nach Gottes Bestimmung der König der ganzen Schöpfung, um seinetwillen leuchten des Himmels Heere und pranget die Erde in ihrer Schöne. Der Mensch selbst aber ist geworden ein Gebundener des Königs der Schrecken, um der Sünde willen ein Knecht des Todes. Und so ist alles gebannt in den Dienst der Eitelkeit und seufzet alle Creatur und trägt des Todes Siegel. Himmel und Erde werden vergehen, aber des Herrn Wort vergehet nicht.

 Schauet an dieß Wort! was verkündet es denn? Ja freilich gerade dieses Wort verkündet mit dem ganzen vollen Ernst der Wahrheit der Sünde Schuld und des Todes Gericht, den Abfall des Menschen, den Gott zum Haupte der Creatur gesetzt hat und damit Verderben und Zerrüttung seiner selbst und des ganzen Leibes der Schöpfung. Aber über diesem strafenden Zeugniß der Wahrheit stehet in wunderbarer Majestät die Verkündigung eines ewigen Rathschlusses der Liebe und Erbarmung. Und dieser Rathschluß der Liebe will gerade die Heilung des Sündenschadens, die Lösung des Bannes der Eitelkeit, von dem alle Creatur geschlagen ist, will die Erlösung des Menschen, die Wiederherstellung der ganzen Creatur zu ihrer mehr als ursprünglichen, zu einer unvergänglichen Herrlichkeit. Die Herrlichkeit der heiligen Schrift ist die Herrlichkeit der göttlichen Liebe, deren Herz entgegen[br]icht dem verlorenen und verirrten Kinde, deren Hand sich herabneigt