Seite:Adolf von Stählin - Predigt über Evang. Lucä 21,33.pdf/9

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die heilige Schrift auch ihre Herrlichkeit, durch das irdische Gefäß strahlet sie himmlische Schöne hindurch. Nehmet alle Bücher der Welt zusammen, nirgends werdet ihr solch wunderbare Vereinigung von unvergleichlicher Majestät und kindlicher Einfalt finden. Es spielt hier die ewige Weisheit mit den Menschenkindern und will durch thörichte Predigt selig machen. Die heilige Schrift ist der Strom, in welchem der Elephant watet und das Lamm nicht ertrinkt. Die Weisheit des Weisesten erschöpft ihre Tiefen nicht und auch der Unmündige freut sich des kindlich großen gottseligen Geheimnisses, das sie offenbaret. In unnachahmlicher Wahrheit, in der göttlichen Kunst des heiligen Geistes malt sie die göttlichen Dinge auf irdischen Grund und bringt sie uns Menschen menschlich nahe und weiß sie wiederum das Irdische und Sichtbare mit Himmlischem und Ewigem zu verknüpfen. Vor solcher Herrlichkeit muß auch der Unglaube den Geist der Lästerung beschwören und ausrufen, wie ein Hauptvertreter desselben wirklich ausgerufen hat: „Ich gestehe euch, daß mich die Majestät der heiligen Schrift in Erstaunen setzt. Die Heiligkeit des Evangeliums spricht zu meinem Herzen. Sehet die Bücher der Weltweisen mit all ihrer Hoffahrt; wie klein sind sie doch neben diesem!“ Und der Gläubige beugt vor solcher Herrlichkeit die Kniee, liegt im Staube und betet an, betet an die Herrlichkeit einer Liebe, vom Worte verkündet, die unser nicht vergißt, mag auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, betet an den Herrn der Herrlichkeit, den dieses Wort preist, der uns zu gut in der Krippe liegt ein Kindlein arm und klein, uns zu gut am Kreuze hängt, blutend, sterbend.

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 Das, Geliebte, ist die unvergängliche Herrlichkeit der heiligen Schrift, die aus ihr selbst uns entgegen leuchtet. O daß wir von ganzem Herzen zu ihr uns bekenneten! O daß wir in ihre Herrlichkeit immer von neuem unser armes krankes mattes Herz eintauchten, damit es sich stärke und erfrische! O daß wir nicht blos an der Schale herumarbeiteten, sondern