Seite:Adolf von Stählin - Predigt über Röm. 12,12.pdf/3

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 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesu Christo! Amen.

Text: Röm. 12,12:

 Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.





 Eine Losung des Christenlebens könnte unser heutiger Text, in Christo Jesu Geliebte, genannt werden; schlagend, mächtig, unvergleichlich bezeichnet er Grundkräfte des christlichen Lebens und weckt zum Gebrauch derselben. Eine Losung des Christenlebens ist er, aber nicht auch des Missionslebens, eine Losung für ein Missionsfest, wie wir es heute feiern? Ich glaube, er ist auch dies. Christentum und Mission sind ja überhaupt unablöslich mit einander verbunden. Das Christentum ist die Religion der Mission. Schon ehe es in die Welt trat, wurde es von den glänzendsten Missionsverheißungen begrüßt; und kaum hat seine Geburtsstunde geschlagen, so eröffnet es, nicht blos gehorsam einem erhabenen Missionsbefehl, sondern auch vermöge eigenen unmittelbaren Lebens- und Liebesdrangs seinen Missionslauf. Und wenn bald gegen eine Religion, die den Beruf in Anspruch nimmt, Salz und Licht der Erde zu sein, obwohl ihr Reich nicht von dannen, alle Erdenmächte sich verschwören, so dringt diese Religion gerade unter Druck und Anfechtung wunderbar vorwärts und sieht ihre Schranken nur in den Enden der Erde. Christentum ist Mission und Mission ist Christentum und soll dies bleiben. Nie darf die Mission ihre Träger und Hebel, die ihr im echten, biblisch-evangelischen Christentum gegeben sind, abtreten an andere Mächte, so verlockend deren Erbietungen auch sein mögen, an Kultur und Humanität, an eine religiös verallgemeinerte, christlich verblaßte Weltanschauung und Geistesrichtung; damit würde sie sich gerade die Wurzeln ihrer Kraft abgraben und ertöten. Wenn aber Christentum und Mission innerlichst zusammen gehören, tief mit einander verwachsen sind, gegenseitig einander fordern, können wir an einem Fest wie dem heutigen oft genug hinabsteigen in die Grundquellen echten, wahren, lebendigen Christentums, sind wir nicht immer von neuem angetrieben, die Grundkräfte desselben in Bewegung zu setzen und uns anzueignen? Soll mit der Stärkung der Missionsarbeit an einem Missionsfest von diesem Grunde aus nicht Stärkung und Belebung unserer Kirchenarbeit überhaupt gegeben sein; soll von unserem Feste auf diesem Wege nicht eine hebende, weckende, begeisternde Kraft auf unser gesamtes