Seite:Adolf von Stählin - Predigt über Röm. 12,12.pdf/4

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geistliches Schaffen und Wirken ausgehen? In diesem Sinne machen wir heute die Christenlosung: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet!“ auch zur Missionslosung.

 Die Losung gilt aber dem Einzelnen nur in der Gemeinschaft und für sie. Das Christentum ist Gemeinschaft; und die Mission ist Pflicht und Ehrensache der ganzen Kirche; von einem Missionsfest zum andern soll dies gepredigt werden. Mit vereinten Kräften soll diese Reichssache betrieben, der Reichskrieg gegen die Burgen und Bollwerke des Heidentums geführt werden. Da soll niemand zurückbleiben, wer ein Christ ist, wer ein Christ sein will. Missionsfeste sollen Sammelpunkte der Kraft, Verbrüderungsfeste für Erfassung und Erreichung unserer großen Arbeitsziele sein. Auf Missionsfesten schöpft man stärkende Luft wahrer, aus der Ewigkeit stammender und in die Ewigkeit führender Gemeinschaft; hier dringen wir aus der Einsamkeit und drohenden Vereinsamung in das weite, weit und freimachende Gebiet echter Kirchen- und Reichsgemeinschaft ein. Zu solcher Gemeinschaft wollen wir uns heute zusammenschließen, teure Brüder! Laßt uns heute gemeinsam treten vor unsern himmlischen Feldherrn und ewigen Siegesherrn, laßt uns an der Losung uns erkennen und mit ihr uns rüsten zu neuem Kampf und neuem Sieg!

Unsere Losung am Missionsfest

ist der Gegenstand meiner heutigen Betrachtung; sie lautet:

1) vorwärts in Hoffnung,
2) vorwärts in Geduld,
3) aufwärts im Gebet!


I.

 Vorwärts in Hoffnung! rufen wir einander zu, weil der Apostel uns mahnt: seid fröhlich in Hoffnung, uns auffordert zu freudiger Hoffnung, zu hoffender Freude. Ein großes Hoffnungsziel steht vor uns: ewiges Heil, ewige Herrlichkeit. Die Vorfreude der Freude, die mit Erreichung dieses Zieles anbricht und nimmer aufhören wird, soll uns jetzt schon durchdringen. Aber ein bloßes Ausruhen in den Gütern der zukünftigen Welt ist christliche Hoffnung nicht, sondern weil geeint mit dem Glauben, in welchem wir jetzt schon Alles haben, eine lebendige persönliche Kraft, die uns vorwärts treibt zum Ziele der Vollendung. Vorwärts in Hoffnung, war die Losung der Kirche von Anfang. Das Hoffnungsziel gilt nicht blos dem einzelnen, es gilt der ganzen Christengemeinde. Unser Ziel ist das ewige Reich unseres Gottes, die herrliche Vollendung der Kirche, der Menschheit, der Welt. Fest und unerschütterlich steht der Grund unserer Hoffnung; er steht und fällt mit Christus dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Er ist der Anfänger und Vollender unseres Christenstandes; in ihm dem Verklärten ist auch die Vollendung und Verklärung seines Reiches verbürgt. Wie hat die erste Gemeinde nach diesem Ziele ausgeblickt, nachdem die Welt trost- und hoffnungslos geworden war! O welch ein Gegensatz zwischen der düstern Verzweiflung