Seite:Adolf von Stählin - Predigt über Röm. 12,12.pdf/7

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 Es ist doch etwas Großes, Geliebte, um den Gedanken, daß alles Schaffen und Wirken auf dem Gebiete der Mission zuletzt einmündet in die Offenbarung der Herrlichkeit des Herrn und seines Reiches. Es ist aber auch etwas Großes, glauben und schauen zu dürfen, wie Wege und Gebiete von Gott selbst bereitet sind, auf denen die Missionshoffnung im einzelnen sich verwirklicht. Wundersam verschlingen sich in der Mission Gottes Erlöserwege mit den großen Geschichtswegen der Menschheit. Christus selbst hält die Zügel des Weltregiments in seiner Hand und stellt es in den Dienst seines Erlöserwirkens. Die Ueberwindung des Römerreichs durch das Wort vom Kreuz, der Gang des Evangeliums zu Germanen und Slaven, die Christianisierung unseres Weltteils predigt uns dies im großen, wie im kleinen der Gang der lutherischen Mission im vorigen Jahrhundert zu den Tamulen des fernen Indiens. Und dem 19. Jahrhundert, in welchem wir stehen, das wir das Jahrhundert der Entdeckung, der Erfindung, des großen Welt- und Völkerverkehrs nennen dürfen, ist eben damit durch Gottes Walten auch der Stempel des Missionsjahrhunderts aufgedrückt. Er selbst hat die Thore weit und die Thüren in der Welt hoch gemacht, daß der König der Ehren einziehe. In kleinen, engen, aber in Hoffnung fröhlichen Kreisen begann am Ende des vorigen, am Anfang dieses Jahrhunderts ein Missionsleben sich zu regen, das nun gewaltig vorwärts gedrungen. Aus einigen wenigen sind 80 Missionsgesellschaften, aus 200 sind 3000 Missionare geworden, die kaum eine Million Mark betragende jährliche Missionseinnahme ist zu 34 Millionen Mark gestiegen; es sind durch die evangelische Mission des 19. Jahrhunderts mehr Christen gewonnen worden, als die Apostel am Ende ihrer Laufbahn eingebracht hatten; die evangelische Mission wächst immer mehr heran zur Weltmission. Das Ende der geographischen That wird in Wahrheit stets der Anfang des Missionsunternehmens. Der kühne Reisende, der ein zweiter Columbus den dunklen Weltteil durchbrach, hielt unmittelbar nach seiner Entdeckungsreise in einer Stadt des südlichen Frankreichs selbst eine Art Missionspredigt. „Glaubt ihr“, sprach er etwa, „meine Reise habe nur als Beitrag der geographischen Wissenschaft gedient? Diese unendliche Oberfläche, die sich offenbart und ihre Geheimnisse darreicht, bietet der zivilisierten Welt 40 Millionen Wilde, die den Finsternissen des Heidentums sollen entrissen werden. Diese Schwarzen sagen auch durch meine Vermittlung: ihr seid reich und intelligent, wir arm und elend, ohne Kleider, und im Schoße einer splendiden Natur sterben wir vor Hunger und zehren einander auf. Habt ihr kein Erbarmen? Bringt uns den Trost, den eure Religion euch gewährt. Wir hören, daß es unter euch Männer gibt, die durch ihre Bildung und ihr Amt berufen sind, diesen himmlischen Trost auszuteilen. Könntet ihr uns nicht solche zusenden?“ Ist das nicht auch ein vorwärts in Hoffnung? Und wenn Gott das deutsche Volk wunderbar erhöht hat unter den Völkern der Erde, und dasselbe anfängt andern Völkern nach sich auszubreiten auf Erden; wenn dort in der Metropole des deutschen Reichs der deutschen Nation zu Ehren über Afrikas neu entdeckte Länder im Namen der Christenvölker Beratung gepflogen wird und die Beratung