Seite:Adolf von Stählin - Trost und Mahnung für die Kirche des Herrn.pdf/7

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Wie oft hat diese Welt ihre Gestalt geändert, wie oft wurde auf ihr die Todtenklage laut, nicht blos über einzelne, sondern über ganze Völker und Staaten, wie viele Reiche sind entstanden und wieder verschwunden, wie viel Sterne irdischer Majestät niedergegangen, wie mancher stolze Weisheitsbau hat sich erhoben und ward wieder zertrümmert, wie rasch ward die bauende Hand von der zerstörenden abgelöst – aber an dem festen Grunde Gottes hat die Macht der Vergänglichkeit sich vergeblich versucht, eine Gemeinde der Gläubigen ist geblieben. Geliebte in Christo! Es gab eine Zeit – und diese Zeit dauerte fast dreihundert Jahre – da war die Kirche nicht unter die Fittige milder und wohlwollender irdischer Schirmherren genommen, wie es bei uns der Fall ist, wofür wir Gott auch heute danken wollen, sondern da waren alle irdischen Gewalten wider sie verschworen und hatten ihr einen Kampf auf Leben und Tod angekündet; es gab eine Zeit, da die Gemeinde Christi nicht so frei und ungestört, wie jetzt, in Kirchen und Kirchlein sich versammeln konnte, da man ihr im Gegentheil auf der Erde gar keinen Raum mehr gönnen wollte, da sie unter die Erde sich flüchten mußte, in unterirdischen Gängen, in Grabgewölben, wo sie ihre eigenen Todten begrub, ihrem Lebensfürsten ihre Lieder sang; wir haben jetzt, Geliebte, ein Kirchenregiment, unter dessen stetiger, von kirchlichem Sinn und Geist getragener Leitung unsere Gemeinden in Frieden und Segen sich bauen können, damals waren gerade diejenigen, die am Steuerruder der Kirche saßen, am ehesten dem Opfertode um Christi willen verfallen, und wie oft wurden die Heerden hirtenlos; auch damals hielt man Synoden, aber nicht in so tiefem Frieden wie jetzt, die Glieder derselben trugen an ihrem Leibe etwa die Malzeichen des Herrn Jesu, die Spuren der um seinetwillen erlittenen Martern – aber keine blutigen Ströme Jahrhunderte langer Verfolgung vermochten den festen Grund Gottes wegzuschwemmen, auch die riesige Wucht der römischen Weltmacht hat weder die Kirche noch den Fels, auf dem sie erbaut ist, zu erdrücken vermocht.

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 Ihr sagt vielleicht, Geliebte, das sind längst vergangene Zeiten. Das war die Jugendkraft des Christenthums, die solches gethan hat. Aber Geliebte, die Kirche hat nicht blos in dieser Zeit des jugendfrischen Anfangs ihren festen Grund bewährt. Blutig hat man die Kirche