Seite:Adolf von Stählin - Trost und Mahnung für die Kirche des Herrn.pdf/9

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Er selbst bleibt unvergessen; bis ans Ende der Tage wird der Lobpreis seines wunderbaren Namens, wird die Adventsfreude, der Weihnachtsjubel und das Osterhalleluja über die Erde forttönen. Ist das Werk aus Gott, so könnt ihr es nicht dämpfen, hat ein kluger Mann vor achtzehnhundert Jahren gesprochen (Ap.-Gesch. 5, 39). Dieß Werk hat die Probe bestanden wie kein anderes. Was jener römische Kaiser, der, als die Kirche schon zum Frieden gekommen zu sein schien, nochmals alle Geister der untergehenden heidnischen Welt gegen das Christenthum heraufbeschwor, dessen Haß gegen dasselbe sprüchwörtlich geworden ist – Julianus den Abtrünnigen nennt ihn die Geschichte – sterbend gesagt haben soll: Galiläer, du hast gesiegt, ist das Siegel der Jahrhunderte geworden. Er hat gesiegt und mit ihm seine Kirche. Sie hat von Anfang kraft des Geistes, der in ihr wohnte, an ihre Unüberwindlichkeit geglaubt; sie hat jetzt aber auch das Thatzeugniß der Geschichte für sich; die Geschichte hat für sie, d. h. für ihren unvergänglichen göttlichen Grund entschieden.

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 An uns ist es jetzt, Geliebte, sich zu entscheiden. Was dünkt euch um Christo? ist die weltbewegende Frage. Sie soll auch unser Herz bewegen. Ist Christus der wahrhaftige Sohn Gottes, hoch gelobet in Ewigkeit oder ist er doch im Grunde nur ein Mensch wie wir, von menschlichem Todesgeschick ereilt, in des Grabes Tiefe versunken: das ist die gewaltige Frage. Mit ihr hängen andere eben so mächtige Fragen zusammen: gibt es einen Gott, heilig und gerecht, gnädig und barmherzig, zu dem wir beten, dem wir ins Auge sehen, an dessen Vaterherz wir alle unsere Noth und Sorge legen können, wie die Christenheit jubelt und anbetet – oder gibt es keinen, wie die Thoren in ihrem Herzen je und je gesprochen, die Lügner namentlich unserer Tage sprechen. Gibt es eine Auferstehung und ein ewiges Leben, eine himmlische Sabbatruh nach dieses Lebens Kampf und Müh, wie das feierliche Bekenntniß der Kirche lautet – oder ist der Mensch eine Welle, die sich hebt aus dem Meere der Zeitlichkeit und in dasselbe wieder zurücksinkt, ist’s eine ewige Nacht, die den mühseligen Sterblichen zuletzt verschlingt, wie die trostlose, geist- und gottverlassene Weisheit der Gegenwart Gott und den Menschen zugleich lästert? Ist diese Welt trotz aller Frevel und Sünde darauf doch zuletzt