Seite:Ahlqvist Forschungen auf dem Gebiete der ural-altaischen Sprachen I.pdf/6

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meines Studiums hatte, haben ihre Wohnsitze zu beiden Seiten des obern und mittlem Laufs des in die Wolga fallenden Flusses Surá oder zwischen den Flüssen Oká und Wolga, in den Gouvernements Nishnij-Nowgorod, Simbirsk, Pensa, Tambow und Saratow. Ein kleinerer Theil dieses Volks lebt auch in den Gouvernements Kasan, Samara, Orenburg und Astrachan und ist durch Colonisation in neuerer Zeit dahin gekommen; denn die obengenannten Wohnsitze an der Surá sind als Urheimath der Mordwinen anzusehen; wenigstens kann die Geschichte keine Spuren ihres frühern Aufenthalts an irgend einer andern Stelle nachweisen. Aus der Reihenfolge in Nestors Völkertafel kann man schliessen, dass sie zu seiner Zeit das Land inne hatten, in dem sie noch jetzt am zahlreichsten vorkommen und der arabische Reisende Ibn Foszlan traf sie ebenfalls in dem südlichen Theil der mittlern Wolgagegend, vieler anderer späterer Zeugnisse zu geschweigen. In politischer Hinsicht waren die Mordwinen während der Blütezeit des Bolgarenreichs an der Wolga wahrscheinlich den Bolgarenfürsten tributpflichtig, geriethen bei dem Untergange dieses Reichs unter das allgemeine tatarische Joch, von welchem sie darauf befreit wurden, als die russischen Grossfürsten ihre Herrschaft ostwärts auszubreiten anfingen und kamen auf diese Weise allmählich zu den Herrschern Russlands in ein Unterthanenverhältniss, in welchem sie sich bis auf diesen Tag befinden. Nach Herrn v. Koeppens Angabe[1] betrug die Anzahl dieses Volks im Jahre 1852 480,241 Personen beiderlei Geschlechts.

Die Sprache der Mordwinen zerfällt in zwei Mundarten: das


  1. Ueber die Anfertigung der Ethnographischen Karte des Europäischen Russlands im Bulletin historico-philologique T. IX, p. 333 = Mélanges russes T. II, p. 152.
Empfohlene Zitierweise:
August Ahlqvist: Versuch einer mokscha-mordwinischen Grammatik. Eggers et Comp., St. Petersburg 1861, Seite VI. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Ahlqvist_Forschungen_auf_dem_Gebiete_der_ural-altaischen_Sprachen_I.pdf/6&oldid=- (Version vom 31.7.2018)