Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/113

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Beschäftigt sind hier fortwährend:

2 Comptoristen,
3 Maschinisten,
1 Schichtmeister und Administrator,
1 Controlleur,
1 Obersteiger,
2 Untersteiger und
250 Leute.

Die Kohlenförderung beträgt das Jahr circa 500,000 Scheffel.

Die Procura trägt gegenwärtig Herr Franz Johann Haasler.

Auf Veranlassung des nun verstorbenen Herrn Carl Herzig in Reichenberg bildete sich im Jahre 1833 aus Fabrikbesitzern und Kaufleuten jener Stadt ein Verein, dessen Zweck die Aufsuchung und Abbauung von Kohlen war und noch in demselben Jahre bei dem benachbarten böhmischen Kohlenwerk Bohrversuche anstellte, ohne jedoch irgend einen Erfolg zu erzielen. Der Verein wendete sich jetzt nach Sachsen und faßte Hartau ins Auge, stieß aber von Seiten der Grundbesitzer wegen pachtweiser Ueberlassung des Kohlenlagers auf ungeheuere Schwierigkeiten, die zu überwinden einen harten Kampf kostete und erst nach langen Verhandlungen gelangte man 1835 zur Anstellung von Bohrversuchen, welche über Erwartung befriedigend ausfielen, worauf sogleich Schachte geteuft wurden.

Man fand ungeheure Vorräthe wenig verkohlten Eichenholzes, unter achtundzwanzig Fuß Kohlen eine Schicht Schieferthon, worauf wieder zweiundfünfzig Fuß Kohlen folgten, Reliquien der ungeheuren Waldungen der Vorzeit. Merkwürdiger Weise fand man auch hier, in großer Tiefe und mitten unter den verkohlten Stämmen einen dreieckigen, großen, eisernen Nagel.

Die oberen Flötze waren bald abgebaut und die tieferen machten wegen dem sich immer häufiger einstellenden Grubenwasser eine Dampfmaschine zum Wasserpumpen nöthig, welche 1838 gesetzt wurde. Diese zeigte sich jedoch zu schwach, je mehr man in die Tiefe gelangte, und so mußte 1853 eine zweite von fünfzig Pferdekraft gesetzt werden.

Diesem Werk steht binnen kurzer Zeit eine noch größere Hebung des Verkehrs bevor, indem von der jetzt im Bau begriffenen Zittau-Reichenberger Eisenbahn eine Zweigbahn nach Hartau geführt werden wird.

Der Kohlenbau-Verein besitzt überdieß noch

ein Braunkohlenbergwerk zu Eckartsberg und
eins dergleichen zu Groß-Poritsch.

Letzteres ist bereits zehn Jahre im Betrieb und an den Verein gegen Tonnenzinsrente von dem Besitzer, Herrn G. A. Mönch auf Groß-Poritsch, verpachtet und wird daselbst gegenwärtig eine Dampfmaschine gesetzt.



Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 105. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/113&oldid=- (Version vom 7.1.2019)