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Die Drellfabrik von Kämmels Erben und Comp. in Groß-Schönau.
(Mit Abbildung.)


Dem Lauf der in Böhmen bei dem Dorfe Ehrenberg entspringenden Mandau folgend, zieht sich eine fast sechs Stunden lange Häuserreihe hin, welche bald auf sächsischem, bald auf böhmischem Gebiet liegt und zu den bevölkertsten und gewerbfleißigsten ländlichen Gegenden nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Erde gehört. Hauptsächlich ragen hervor die beiden sächsischen Dörfer Groß-Schönau und Seifhennersdorf, sowie das in Bezug auf seine industrielle Regsamkeit durch die ganze österreichische Monarchie berühmte Warnsdorf und die gleichfalls böhmische Stadt Rumburg. Wohin man bei einer Wanderung durch diese endlos scheinende Häuserkette auch schaut, überall sieht man Zeichen des Gewerbfleißes, Alt und Jung, Groß und Klein ist bei der Fabrikation thätig und der lebendigste Verkehr herrscht von früh bis spät auf allen Straßen.

In dieser Häuserkette ist auf sächsischem Gebiet das ansehnlichste Glied das Dorf Groß-Schönau, eins der größten Sachsens, denn es zählt mit dem dazu gehörigen Neu-Schönau gegenwärtig in 643 Gebäuden 5485 Einwohner. Von Zittau – dessen Rath sich seit 1587 im Besitz dieses Dorfes befindet – ist es zwei Stunden entfernt, von Herrnhut drei. Auf der einen Seite von Hainewalde, auf der andern von Warnsdorf begränzt, liegt Groß-Schönau an den Ufern der hier durch das Flüßchen Lausur und das Pochwasser verstärkten Mandau in einem von verschiedenen Hügeln durchschnittenen anmuthigen Thal, gebildet durch die Bertsdorfer und Johnsdorfer Berge, die Vorberge der 2433 Fuß hohen, eine herrliche Rundschau gewährenden Lausche, dem Nesselberge, sowie die Höhen bei Spitzkunnersdorf und Hainewalde, und es bietet in dieser romantischen Umgebung mit seinen vielen wohlgebauten, zum Theil selbst palastartigen Häusern einen überaus freundlichen Anblick, wobei man auch die Wahrzeichen industrieller Betriebsamkeit, die hohen Dampfessen nicht vermißt.

Groß-Schönau ist der altberühmte Hauptsitz der Damastweberei, hat sich aber seit einiger Zeit auch der Wollenfabrikation zugewendet und zählt in beiden Branchen großartige Etablissements. Ueber die Damastweberei werden wir uns in dem nächsten Heft ausführlicher zu sprechen Gelegenheit haben, für jetzt wählen wir zu näherer Betrachtung die rühmlich bekannte Drellfabrik von Kämmels Erben u. C.

Die Gebäude dieser Firma zerfallen in zwei Complexe. Diejenigen, in welchen sich hauptsächlich der Geschäftsbetrieb findet, liegen in dem Mitteldorfe an der Lausur und bestehen aus

einem Hauptgebäude, in dem sich das Comptoir, die Weberexpedition, Muster- und Packstube, das Lager roher und zugerichteter Waare, und das Garnlager befinden;
einem zweiten Hauptgebäude, enthaltend die Färberei, Garntrockenstuben und Scheerstuben.

Außerdem gehören noch Stallungen, Remisen für Wagen und Feuerungsmaterial, sowie ein großer Garten dazu.

In Nieder-Groß-Schönau liegt an dem Pochwasser das Mühlengrundstück, welches die Firma zur Hälfte besitzt, (Eigenthümer der zweiten Hälfte sind die Herren C. G. Härtig und E. Paul). Dasselbe besteht aus

einem ansehnlichen neuerbauten, durchaus massiven Hauptgebäude, welches die Müllerei, Twisterei, Räume für die nächstens einzurichtende mechanische Weberei, sowie verschiedene Wohnungen, enthält, und

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 106. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/114&oldid=3471132 (Version vom 7.1.2019)