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Die muldener Schmelzhütte bei Freiberg.
(Mit Abbildung.)

Das ehrwürdige Freiberg behauptet den Ruhm, in seiner Umgegend die großartigsten und berühmtesten bergmännischen Etablissements zu besitzen, welche zum Theil als Musteranstalten selbst für die fernsten Länder dienten, denn aus allen Weltgegenden kommen Jünglinge, auf Freibergs berühmter Bergakademie das Berg- und Hüttenwesen zu studiren, dessen Einrichtungen praktisch kennen zu lernen, und dann die gesammelten Erfahrungen in ihrem Vaterlande anzuwenden. Unter diesen Etablissements nimmt die muldener Schmelzhütte einen hervorragenden Platz ein, und man hat in dem umfangreichen Complex von Gebäuden Gelegenheit, Tag und Nacht das Personal in reger Geschäftigkeit zu beobachten und den interessanten Schmelzprozeß kennen zu lernen.

Die muldener Hütte ist fast so alt, als der Bergbau in Freibergs Gegend, aber erst gegen Ende des siebenzehnten Jahrhunderts begann die bedeutendere Vergrößerung derselben. Bis zu dem genannten Zeitpunkt befanden sich überall, wo Erze gewonnen wurden, auch Schmelzhütten, welche fast stets in Thätigkeit waren, und eine Menge Holz verzehrten, ohne daß sich ein besonderer anderer Gewinn herausgestellt hätte. Der Holzmangel in den Bergrevieren machte sich immer fühlbarer und die laut werdenden Klagen bewirkten, daß sich das Augenmerk auf die Ursache dieses Uebels richtete. Zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts wurde eine General-Schmelz-Administration niedergesetzt, kraft welcher, um der Holzverschwendung Einhalt zu thun und auch sonst die Arbeiten möglichst gewinnbringend zu machen, alle Erze in die Freiberger Hütten abgeliefert und dort geschmolzen werden mußten.

Dieses machte die Vergrößerung der Freiberger Hüttenwerke nöthig und so hat gegenwärtig die muldener Hütte

17 Schmelzöfen, unter diesen 5 doppelte,
7 ungarische Röstöfen,
3 englische, zum Theil für Gasfeuerung eingerichtete Röstöfen,
30 Röststätten,
2 Treibherde,
2 Silberfeinbrennöfen,
2 englische Flammenöfen,
1 englischer Kupferraffinirofen,
2 Cylindergebläse, wovon das eine drei, das andere vier Cylinder hat, getrieben durch Furneyronsche Turbinen,
2 Lufterwärmungsapparate und
2 Pochwerke mit 15 Stempeln.

Dabei befindet sich noch eine Extraktionsanstalt.

Beschäftigt find hier über dreihundert Arbeiter, welche das Jahr durchschnittlich 114,000 Centner Erz mit 160,000 Pfund Silber, 21,000 Centner Blei und 270 Centner Kupfer Ausbringen durchsetzen, wofür die Bezahlung 472,000 Thaler ist.

Die Erze werden entweder in englischen Flammenöfen, oder in sogenannten Schachtöfen geschmolzen. Diese Schachtöfen sind aus Bruchsteinen ausgemauert und haben einen hohlen, vier bis sechs Ellen

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 110. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/118&oldid=3134586 (Version vom 3.6.2018)