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in ganz Deutschland ihres Gleichen nicht findet, und von welcher man mit Zuversicht behaupten kann, daß sie auf einem großen Theil der bewohnten Erde bekannt ist, also wirklichen Weltruf besitzt.

Der umfangreiche Gebäude-Complex des Etablissements befindet sich auf dem rechten Elbufer, in Antonstadt-Dresden, Allaungasse Nr. 20 und besteht aus sechs Haupt- und acht Nebengebäuden, bei deren Aufstellung von vornherein ein großartiger Hauptplan nicht projectirt werden konnte, da anfangs das zu Gebote stehende Areal zu beschränkt war und erst durch Ankäufe nach und nach vergrößert wurde, und auch die Nothwendigkeit weiterer Ausdehnung erst im Lauf der Jahre bei zunehmenden Aufschwung des Fabrikbetriebs herausstellte. Dennoch ist auf die isolirte Situation sämmtlicher Gebäude, sowie darauf Rücksicht genommen, dieselben im Innern mit bis über die Dächer geführten Brandmauern zu versehen, welche Abtheilungen bilden, die im Fall eines entstehenden Brandes einzeln vertheidigt werden und das Etablissement vor einem totalen Brandschaden sehr wesentlich schützen können.

Außer bei dem einen in einfachen, geschmackvollen Styl aufgeführten Wohngebäude ist bei den übrigen Baulichkeiten auf äußere architektonische Ausstattung keine Rücksicht genommen, wohl aber auf eine, ihrem Zweck vollständig entsprechende Construction.

Die Gebäude enthalten:

die durch Dampfkraft in Betrieb gesetzten Mühlen und Maschinen verschiedener Art, beider, jedoch völlig von einander getrennter, Fabriksbranchen;
die erforderlichen Arbeitsräume, Packsäle und große Magazine, gewölbte sehr große Keller zur Lagerung ansehnlicher Massen von Fabrikaten und Rohmaterialien, letztere bestehend in Cacao, Zucker, Gewürzen u.s.w., sowie auch in gedörrten Cichorien-, Runkelrüben- und Möhrenwurzeln und anderen Erfordernissen;
die Localitäten für rohe und gefärbte Papiere, eine Papierfärberei und Etiquettendruckerei;
die Böttcherei, Werkstatt für Fertigung von Kisten, eine Schmiede;
ein Spritzenhaus;
die Wohnungen für einige Familien, und
ein Wächterhaus mit einer Thurmuhr und einer Glocke, zur präcisen Regelung der Arbeitszeit.

Hierzu gehören noch ein Zier- und ein Gemüsegarten und ein angrenzendes Feldstück und das Ganze umfaßt ein Areal von zwölf Scheffeln, wovon die gegenwärtig vorhandenen Fabrikgebäude einen Raum von sechs Scheffeln einnehmen, also noch hinreichend Platz für projektirte neue Bauten übrig bleibt.

In Neustadt-Dresden besitzt das Etablissement am Palaisplatz das Haus Nr. 6, in welchem sich das Comptoir für Besorgung der merkantilen Arbeiten, das Verkaufsgewölbe, sowie Niederlagen und Packräume der zur Versendung bestimmten Fabrikate befinden.

Die Hauptbranchen des Etablissements sind:

eine Fabrik für Caffe-Surrogate und
eine Fabrik für Cacao-Fabrikate;

als Nebenbranchen werden noch betrieben:

eine Fabrik für Bleiweis und Blaufarben und
Fabrikation von Waizenstärke und Kartoffelmehl.

Die Haupterzeugnisse der Chocoladen-Fabrik sind:

Trink-Chocoladen und Cacao-Massen in Tafelform, als Vanille, Gewürz- und Sanitäts-Chocoladen in den mannigfaltigsten Qualitäten; entölte Cacaos und sogenannte arabische Chocoladen, sowie Racahout de l’Orient;
Dessert-Chocoladen in Täfelchen, Pasten, Papilloten, Blumen, Bonbons u.s.w.;
Vanille-, Gwürz- und Gesundheits-Pastillen, auch Chocolat praliné;
figurirte Chocoladen in mehr als fünfzehnhundert Variatäten, in allen Genres und Größen, bestehend in menschlichen und Thierfiguren, Büsten, Theater-Costüms, Früchten, Blumen,
Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 118. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/126&oldid=- (Version vom 7.1.2019)