Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/13

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Rundstühle sind vorzüglich in Chemnitz und Stollberg im Gange; die Anfertigung regulärer Waare hat in der ganzen Umgegend durch die Einführung des Ule-Heinig’schen Strumpfstuhles einen neuen Aufschwung genommen.

Die Kattundruckerei begann ebenfalls schon im vorigen Jahrhunderte, und Chemnitz machte während der Continentalsperre solche Fortschritte, daß es längere Zeit hindurch in Deutschland alle Concurrenten überstrahlte. In den letzten dreißiger Jahren jedoch gingen die größern Fabriken aus falscher Rücksichtnahme auf die Arbeiter mit Einführung der Maschinen und der Massenfabrikation nicht kräftig genug vorwärts, so daß sie von Berlin und Großenhain überflügelt wurden. Die größte Fabrik, Pflugbeil u. Comp., hörte ganz auf, und wenn es auch noch sehr achtbare größere und kleinere Kattundruckereien giebt, unter denen die Firmen Wapler und Richter, Becker und Schraps, Pfaff und Sohn voranstehen, so werden sie doch an Massenhaftigkeit der Leistungen von Berlin etc. weit überboten. Dagegen hat sich der Wolldruck entschieden gehoben und mehrere jüngere Etablissements erfreuen sich eines trefflichen Geschäftsganges.

Mit dem Jahre 1800 begann in Chemnitz die mechanische Baumwollspinnerei, und nachdem die ersten Jahre der Privilegien vorüber waren, verbreiteten sich die Spinnfabriken über die ganze Umgegend und bis weit hinauf in’s Gebirge, allenthalben unbenutzte Wasserkraft aufsuchend. Im Weichbilde der Stadt befinden sich nur wenige Spinnereien, welche größtentheils, wie die von J. S. Schwalbe u. Sohn, G. W. Schmidt und Seifert u. Breyer an Dampf gehen, während von etwa 36 in der weitern Umgegend an der Chemnitz, Zschopau, Flöha, Mulde etc. gelegenen Spinnfabriken die Comptoirs und Niederlagen in der Stadt sind und die kaufmännischen Geschäfte von da aus betrieben werden. Der Garnhandel ist wie der Wollhandel (60,000 Ballen jährlich) sehr lebhaft, und es wird das hiesige Garn vorzüglich als Strumpfgarn in der Umgegend verarbeitet oder, als für die Weber bestimmt, in die Lausitz und nach Schlesien verschickt. In Strickgarn hat Max Hauschild einen europäischen Ruf. – Jünger als die Baumwollspinnerei ist die Kammgarnspinnerei, für welche sich in der Stadt zwei Fabriken befinden, während die große Solbrig’sche Anstalt in dem eine Meile entfernten Harthau betrieben wird. Streichgarn wird nur in der Flanellfabrik von C. M. Fiedler gesponnen.

Der jüngste, aber außerordentlich schnell zu hoher Bedeutung gelangte Hauptzweig des hiesigen Chemnitzer Gewerbsbetriebes ist der Maschinenbau, als dessen eigentlichen Gründer man den kürzlich verstorbenen C. G. Haubold sen. betrachtet, dessen Andenken in der nächsten Zeit durch ein Denkmal geehrt werden wird. Zunächst war der Maschinenbau ein Kind der Spinnerei, indem das Streben galt, gute Maschinen für Spinner zu liefern, und bis auf den heutigen Tag ist auch der Ruf der Chemnitzer Maschinenbauanstalten ganz vorzüglich auf ihre Leistungen für die Spinnerei begründet gewesen, da sie hierin unbedingt in Deutschland den ersten Rang einnehmen, während es im Bau von andern Maschinen vielfache und großartige Concurrenz giebt. Der Raum gestattet hier nicht, die Maschinen, welche jetzt in Chemnitz gebaut werden, alle zu nennen, und wir heben nur als charakteristisch neben allen zur Spinnerei gehörigen Maschinen die mechanischen Webstühle, die Werkzeug-Maschinen und die Locomotiven und Dampf-Maschinen hervor. Als die größten Etablissements nennen wir die von Richard Hartmann, Götze u. Comp., C. G. Haubold jun., C. F. Schellenberg, Const. Pfaff, J. S. Schwalbe u. Sohn, Louis Schönherr u. Seidler, Joh. Zimmermann.

Näheres geben wir bei Beschreibung einzelner Etablissements, wobei wir auch auf andere nennenswerthe Fabrikanlagen eingehen werden.

Und so beginnen wir den Reihen der einzelnen Etablissements unseres ruhmgekrönten Vaterlandes mit einer Anstalt, die ebenso merkwürdig und berühmt ist durch den fast fabelhaften Aufschwung, welchen dieselbe in einer kurzen Reihe von Jahren genommen hat, als durch ihren Besitzer, dessen Geist mit ächt deutscher Tiefe, Unermüdlichkeit und Gründlichkeit den rastlosen, durch und durch von seinem Zwecke und Ziele durchdrungenen, zäh und unbeirrt ausdauernden englischen industriellen Sinn verbindet! Es ist dies:

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/13&oldid=- (Version vom 7.1.2019)