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dem Weber nur noch ein Zieher nöthig. Das Weberschiffchen oder der Schütze wird vier Mal durchgeschoben, ehe ein Mal gezogen wird. – Das Weben erfordert übrigens so manche Kenntniß, denn der Weber muß nicht nur die Vorarbeiten oder sämmtliche Vorrichtungen genau kennen, sondern auch mit der Construction des Stuhles vertraut sein, um vorkommende Fehler sogleich zu entdecken und jeder Unordnung in der Maschinerie sogleich abzuhelfen.

Ein eine Elle breites Zeug ordinairer Qualität hat gewöhnlich 1600 Fäden in der Kette, bei der feinsten Qualität aber 3000 Fäden auf die Elle. Die Breite der hier gewebten Damaste geht bis zu sieben Ellen, doch werden Letztere nur auf Bestellung gefertigt. Tafeltücher erreichen bisweilen die Länge von vier und zwanzig Ellen.

Ein ungewöhnliches Muster ist unter sechs bis acht Monaten nicht zu liefern und dadurch, als auch durch Kostenaufwand für Werkzeuge, Vorarbeiten, Materialen, Weber- und Bleicherlöhne wird die Waare kostspielig.




Die Leinen-Damastfabrik und Bleiche von J. G. Lieske & Häbler in Groß-Schönau.
(Mit Abbildung.)


Nachdem wir einen Blick auf die Geschichte der Entstehung der Damastfabrikation in Groß-Schönau geworfen haben, wenden wir unsere Aufmerksamkeit einem der ansehnlichsten Etablissements des genannten Ortes zu, der allerseits rühmlichst bekannten Leinen-Damastfabrik von J. G. Lieske und Häbler, deren gegenwärtiger Besitzer Herr Carl Gotthelf Häbler ist.

Dieses Geschäft verdankt seine Gründung Herrn Johann Gottfrid Lieske, welcher sich bis zum Jahr 1826 mit der Fabrikation bunter halbleinener und halbbaumwollener Thee- und Kaffeeservietten beschäftigte. Später erweiterte dessen Schwiegersohn, Herr Carl Gotthelf Häbler – der gegenwärtige Besitzer – das Geschäft auf alle in Damast einschlagende Artikel und es wurde derselbe im Jahr 1834 als Teilhaber aufgenommen, von welcher Zeit sich auch die jetzige Firma datirt. Langsam aber sicher fortschreitend vergrößerte sich das Geschäft nach allen Richtungen mehr und mehr und erwarb sich durch die Vorzüglichkeit seiner Leistungen einen wohlverdienten Ruf und allgemeine Anerkennung in den weitesten Kreisen.

Bei dem zunehmenden Umfang der Fabrik machte es sich endlich nothwendig, derselben eine eigene Bleichanstalt beizufügen; diese wurde im Jahr 1856 errichtet und es werden bei ihr zwei Dampfkessel, sowie eine Dampfmaschine von sechs bis acht Pferdekraft verwendet.

Die Fabrikation des Etablissements umfaßt alle Gattungen Leinen-Damast, Jacquards und Zwillich, und es finden diese Artikel ihren Absatz nach allen Weltgegenden.

Die Erzeugnisse des Etablissements befanden sich auf allen großen Ausstellungen, ausgenommen der in Paris und sie bewährten dort den alten Ruhm der Groß-Schönauer Damaste. In Anerkennung der Vorzüglichkeit der ausgestellten leinenen und halbseidenen Damastwaaren wurden der Firma nach und nach die große und die kleine goldene sächsische, die goldene Huldigungs-, die silberne preußische und die große Münchner Medaille zuerkannt, in London empfing sie den zweiten Preis und außerdem noch von dem König von Würtemberg, so wie dem Großherzog von Sachsen-Weimar die goldene Medaille.




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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 140. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/148&oldid=3470975 (Version vom 6.1.2019)