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Die Wachstuche befanden sich auf den Ausstellungen zu Dresden, Paris und München und ihre Vorzüglichkeit wurde daselbst jedes Mal durch Ertheilung eines Preises anerkannt.

In dem Etablissement befinden sich drei Farbereibemaschinen in Thätigkeit, welche durch Menschenhände getrieben. Die Herren Besitzer würden zwar zu diesem Zwecke längst eine Dampfmaschine aufgestellt haben, doch zeigt sich die Handarbeit am vortheilhaftesten, indem es durch dieselbe allein ermöglicht wird, die Arbeiter auch bei schlechtem Wetter und im Winter zu beschäftigen, wo die größtentheils im Freien betriebene Wachstuchfabrikation oft lange und unfreiwillige Pausen zu machen gezwungen ist, also auch manche Hände feiern müßten, wenn keine Beschäftigung zur Ausfüllung dieser Zeit vorhanden wäre.

Beschäftigt sind in der Fabrik zwei Comptoiristen, ein Reisender, ein Expedient, ein Zeichner, ein Formenstecher, ein Holzmaler und vierzig Arbeiter, von denen, wie schon erwähnt – zehn Familien in den Fabrikgebäuden Wohnung gefunden haben.

Diese hier wohnenden Familien bilden gleichsam den Stamm der Arbeiter und sind sie schon seit einer langen Reihe von Jahren bei der Fabrik beschäftigt, denn ein Wechsel fällt bei diesen nur höchst selten vor. Diese Einrichtung hat ferner den Vortheil, daß bei möglicher Weise entstehender Feuersgefahr augenblicklich ausreichende Hilfe zu deren Unterdrückung bei der Hand ist.

In Arbeit und auf Rahmen gespannt sind hier stets wenigstens 1500 Stück Wachstuche aller Gattungen.

Das Lager der Fabrik en gros und en detail, sowie das Comptoir befindet sich am Hauptmarkt, Nr. 13, in einem sehr schönen und geschmackvoll eingerichteten Local.

Besitzer des Etablissements sind Herr Johann Heinrich Schäfer und dessen Schwiegersohn, Herr Bernhard Brand, von denen Ersterer den Fabrikbetrieb leitet, Herr Brand aber die kaufmännischen Geschäfte betreibt.

Herr Johann Heinrich Schäfer, der Gründer dieses Etablissements, gehört zu der Klasse derjenigen Männer, welche so gut wie ohne alle pecuniären Mittel, aber ausgerüstet mit Unternehmungsgeist, praktischer Kenntniß, hellem Blick, unermüdlicher Thätigkeit, Beharrlichkeit und strenger Rechtlichkeit sich gleichsam aus dem Nichts zu einer hohen Stufe allein durch eigene Kraft emporgearbeitet haben und deren Namen in der Geschichte der Industrie, wenigstens in der ihrer Heimath, immer einen ehrenvollen Platz behaupten werden. Im Jahre 1833 begann Herr Schäfer mit einem Fond von nur wenigen Thalern das Geschäft, und es gelang ihm, ob auch langsam, aber mit um so sichererm Schritt, sich in die Höhe zu arbeiten. Unermüdlich thätig und voll fester Beharrlichkeit bei Verfolgung seines Zieles, scheute er zugleich kein Opfer, um solide und schöne Waare zu liefern und das Vertrauen seiner Geschäftsfreunde in vollem Umfange zu rechtfertigen; ein Streben, welches auch alle Anerkennung fand, wie es der steigende Flor der Fabrik hinlänglich bekundete. Noch mehr aber gewann das Geschäft nach allen Richtungen an Ausdehnung, als Herr Bernhard Brand als Associé beitrat und, dem Geschäft seine volle Thätigkeit widmend, durch umfangreiche Reisen überall neue Verbindungen eröffnete.

Bei dem fortwährenden Streben der Herren Besitzer, die Fabrikation nicht nur auf der jetzigen Höhe zu erhalten, sondern auch stets zu vervollkommnen und allen billigen Ansprüchen gerecht zu werden, läßt sich ein erhöhter Aufschwung und vermehrte Ausdehnung des Etablissements für die Zukunft wohl erwarten.



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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 144. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/152&oldid=3470972 (Version vom 6.1.2019)