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Vor der Fabrik befindet sich ein großer Gemüsegarten mit vielen Beeren und Spalierobst, und um das Herrenhaus ein Ziergarten, Obstgarten und Obstbaumschule, sowie ein Wiesengrundstück und Forellenteich.

Auf diesem Besitzthum ruht ferner die Gerechtigkeit des Bierbrauens, welche aber zur Zeit nicht ausgeübt wird, sowie die Fischereigerechtigkeit in der Mulde, auf einem Distrikt von mindestens einer halben Stunde.

Das Etablissement beschäftigt sich mit der Fabrikation von Argentanblechen in allen Stärken, bis zur Papierstärke herab; von Argentandrähten in allen Stärken, bis zu der eines Pferdehaares, und rohen Argentan-Messing- und Rothgußwaaren nach einzusendenden Modellen; als Nebenbranche wird noch die Fabrikation von Knochenmehl zur Düngung betrieben.

Haupterzeugnisse sind die oben genannten Argentan- und Gußwaaren, welche ihren Hauptabsatz in Deutschland, sowie nach mehreren anderen Staaten Europas finden.

An Maschinen besitzt das Etablissement

ein großes Walzwerk mit Schwungrad, welches in der Maschinenwerkstatt von Hestler und Breitfeld in Erlahammer bei Schwarzenberg angefertigt und meisterhaft ausgeführt ist, die 36″ langen Hartwalzen sind von ausgezeichneter Härte und ganz reinem Guß;
ein kleines Walzenwerk;
einen Drathzug mit zwei Maschinen;
eine Metallschneidemaschine;
eine Metallhobelmaschine;
eine große Drehbank;
ein großes Prägewerk, und
ein Pochwerk mit acht Stempeln für die Knochenmehlfabrikation.

Diese sämmtlichen Maschinen werden durch oberschlächtige Wasserkraft von circa 50 Pferdekraft mittelst vier Rädern in Bewegung gesetzt.

Beschäftigung finden hier 15 Leute.

Die Fabrik hat eine Commandite in Leipzig bei Herrn Fr. Ed. Schneider.

Besitzer des Etablissements sind gegenwärtig noch die Erben des Dr. Geitner, doch geht mit Ende dieses Jahres der Alleinbesitz an den Schwiegersohn des sel. Dr. Geitner, Herrn F. A. Lange über, welcher bereits seit fünfzehn Jahren mit der kaufmännischen und seit zwei und einem halben Jahre mit der technischen Leitung der Fabrik betraut ist.

Die Fabrik verdankt ihre Entstehung dem als tüchtigen Chemiker und Metallurg bekannten Dr. E. A. Geitner, dem Erfinder des Argentans, welcher sie zuerst in Schneeberg betrieb und – wie bereits erwähnt – 1830 in den erkauften Auerhammer verlegte. Die Darstellung des Argentans hätte übrigens dem Erfinder, wenn er mehr Kaufmann gewesen, Hunderttausende einbringen müssen, die er sächsischen und auswärtigen Fabrikanten zugewendet; so aber wiederholte sich auch bei ihm die alte Erfahrung, daß der Erfinder den wenigsten Vortheil aus seiner Erfindung zog. Dr. Geitner starb am 24. October 1852 und von da an führten dessen Erben die Fabrik unter der Firma Geitner und Co. fort. Die neuen Besitzer bemühten sich, die Erzeugung des Argentans auf einen höheren Standpunkt zu bringen, weshalb sie im Lauf des Jahres 1857 größere Betriebswerke anlegten, und es dürfte wohl nicht zu viel gesagt sein, wenn wir behaupten, daß in dieser Branche ein zweites Walzwerk, wie das neu erbaute, in Sachsen wohl kaum noch bestehen dürfte. In Folge dessen ist aber auch die Fabrik in Stand gesetzt, hinsichtlich der Preisstellung mit Nachdruck jeder anderen Concurrenz begegnen zu können, zumal auch jetzt, außer dem von Dr. Geitner erfundenen und bis jetzt noch unübertroffenen Argentan, Neusilberbleche und Drähte und rohe Gußwaren in geringerer Qualität, wie solche Berliner und andere Fabriken darstellen, auf Verlangen geliefert werden. Zur Erzeugung der rohen Gußwaaren nach einzusendenden Modellen ist nächst der Gießerei auch eine Formerei neu eingerichtet und solche mit tüchtigen Leuten besetzt worden, so daß für Reinheit und Dichtheit des Gußes Garantie geleistet werden kann.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 151. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/159&oldid=- (Version vom 6.1.2019)