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war die überaus feste Burg durch Graben und Mauern getrennt. Die Burg gehörte in frühern Zeiten den Bischöfen von Naumburg, von welchen sie als Lehn die hier oft residirenden Markgrafen von Meißen besaßen. Auch der König Wratislaw von Böhmen war einige Zeit als Lehnsträger des Bischofs im Besitz der Burg und benutzte sie als böhmische Grenzfestung, sowie als Sitz eines Burggrafens.

Später kam die Burg – gleich der Stadt – gänzlich an die Markgrafen von Meißen und vorzüglich Friedrich mit der gebissenen Wange nahm bisweilen hier seinen Aufenthalt. Seine Festigkeit bekundete das Schloß damals gegen den Markgrafen Hans von Brandenburg, welcher es 1292 lange und vergeblich belagerte und bestürmte. Doch kam es 1312 als Auslösung für den gefangenen Friedrich an die Markgrafen Woldemar und Johann von Brandenburg, welche es aber in Folge des Friedensschlusses von 1316 an seinen ehemaligen Herrn zurückerstatten mußten.

In den damaligen unruhigen Zeiten mußte das Schloß Großenhain viele Drangsale und manche harte Belagerung aushalten, namentlich im fünfzehnten Jahrhundert durch die Hussiten; aber von des Feindes Waffen blieb es unbesiegt und nur erst die Gewalt des Feuers überwand es. Als den 29. Juli 1540 die Maria-Magdalenen-Nonnen ihr Kloster selbst in Brand steckten, weil es aufgehoben werden sollte, sank ein großer Theil der Stadt und mit ihr das Schloß in Asche. Das Schloß wurde wieder hergestellt und zwar fest genug, um während des dreißigjährigen Krieges allen Angriffen und namentlich einer Belagerung durch die Schweden widerstehen zu können.

Später wurde das Schloß von Kurfürst Johann Georg II. an das Rittergut Naundorf vererbt, von dem es erst in neuerer Zeit an die Stadt zurückkam. Es ward immer mehr zur Ruine und zuletzt blieb außer einigen Mauern nur noch der uralte Schloßthurm stehen, welcher durch die Festigkeit seiner fünf und eine halbe Elle dicken Mauern jedem Sturm der Zeit trotzte und – wie schon erwähnt – endlich als Rauchfang einer Dampfmaschine dienen mußte, als 1836 die Ruine zu einem industriellen Etablissement umgewandelt wurde.




Die Maschinenfabrik von Theodor und Ernst Wiede in Chemnitz.
(Mit Abbildung.)


Unter den Maschinenfabriken in Chemnitz nimmt die von Theodor und Ernst Wiede, sonst Götze u. Co., eine bedeutende Stelle ein, sowohl in Hinsicht ihrer Erzeugnisse, als auch in Großartigkeit des Betriebs.

Dieses Etablissement wurde im Jahre 1842 von den jetzigen Herren Besitzern in Gemeinschaft mit Herrn August Götze gegründet. Es führte die Firma Götze u. Co. und befand sich eine lange Reihe von Jahren in dem Borchardt’schen Lokale auf der Zwickauer Straße, wurde aber 1852 in die neuerbauten eigenen Gebäude vis-à-vis dem Niedererzgebirgischen Hauptbahnhof verlegt, wo es sich jetzt noch befindet. Am 24. Juli 1856 ging das Geschäft in den alleinigen Besitz der beiden zeitherigen Mitassocies, Herren Wilhelm Theodor Wiede und Ernst Wiede über, welche es unter obengenannter Firma ganz in früherer Weise fortführen.


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 162. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/170&oldid=3470572 (Version vom 6.1.2019)