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Das Etablissement umfaßt zwei Hauptgebäude und sechs Nebengebäude. Hier wird in den

zwei Hauptgebäuden – in deren einem sich auch das Comptoir befindet – und in zwei Nebengebäuden der Maschinenbau betrieben; in
einem Nebengebäude befindet sich die Schmiede; in
einem Nebengebäude die Dampfmaschine nebst Kesselhaus und
die letzten zwei Nebengebäude enthalten die Hausmannswohnung, so wie Stallung und Wagenremise.

Die Fabrik liefert Dampfmaschinen, Turbinen, treibende Zeuge, Mühlwerke, Maschinen für Baumwollenspinnereien, Kammgarnspinnereien und Streichgarnspinnereien, Zwirnerei-Maschinen, Hydraulische Pressen, Walzwalken, überhaupt Tuchfabrikations- und Hilfsmaschinen für Maschinenbau u.s.w. Haupterzeugnisse sind aber die Spinnerei-Maschinen.

Die Maschinen werden zum Theil nach den besten ausländischen Mustermaschinen, größten Theils aber nach eigenen Constructionen und patentirten Erfindungen ausgeführt. Zu diesen Letzteren gehören namentlich die Vorspinnkrämpeln (Continues), Cilindersteinspinnmaschinen (Mulejennys), Walzwalken, Pluswölfe für Wollfabrikation, so wie mehrere Constructionen für Baumwollenspinnereien, wodurch die frühere Firma Götze u. Co., sowie die jetzige Firma Theodor und Ernst Wiede fortwährend Lieferungen in die entferntesten Gegenden zu machen hatte und noch hat.

Diese Maschinen finden ihren Hauptabsatz nach allen Fabrikterrains des mittleren und östlichen Europa, nämlich: nach den Staaten des Zollvereins, Oesterreich, Italien, Schweden, Rußland u.s.w.

Das Etablissement besitzt 150 Maschinen, bestehend in Hobelmaschinen, Nathstoßmaschinen, Räderschneidemaschinen, Schraubenschneidemaschinen, Drehbänke, Bohrmaschinen, mechanische Schleiferei u.s.w., welche durch eine Dampfmaschine von fünfundzwanzig Pferdekraft in Bewegung gesetzt werden.

Beschäftigt sind hier 20 Beamtete und 500 Arbeiter in und außer der Fabrik.




Die Königliche Porzellan-Manufaktur in Meißen.
(Mit Abbildung.)


Das Porzellan ist ursprünglich eine Erfindung der Chinesen und Japaner, denen es schon seit den frühesten Jahrhunderten bekannt war und welche aus dieser Masse die mannigfaltigsten Gefäße und Figuren, mit und ohne Malerei, fertigten; sie belegten selbst ganze Gebäude mit Platten von gemaltem Porzellan. Die Portugiesen, die Entdecker des Seeweges nach Ostindien, waren die ersten, welche im fünfzehnten Jahrhundert das Porzellan nach Europa brachten und von ihnen erhielt es ohne Zweifel auch seinen Namen, indem porcella in der portugiesischen Sprache eine Schaale bedeutet. Dem Beispiel der Portugiesen folgten die Holländer, welche das Porzellan massenhaft in China einhandelten und dann nach Europa überführten, wo es bald ein sehr gesuchter, aber enorm theurer Luxusartikel wurde.

In Europa versuchte man lange Zeit vergebens, das Porzellan nachzuahmen; ein Herr von Tschirnhausen, ein tüchtiger Chemiker und um Sachsens Industrie sehr verdienter Mann – er legte unter Anderen die ersten Glasfabriken in Sachsen an und erhielt dadurch dem Lande große Summen – erfand zu Ende des siebenzehnten Jahrhunderts eine dem Porzellan ähnliche Masse, doch war dieselbe zu glasartig,


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 165. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/173&oldid=3470118 (Version vom 6.1.2019)