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Die Fabrik landwirthschaftlicher Maschinen und Geräthe von Dr. W. Hamm in Leipzig.
(Mit Abbildung.)


Bei den vorzüglich in den letzten Jahrzehnten immer bemerkbarer werdenden rastlosen Fortschritten auf dem Gebiet der Landwirthschaft, machten sich zu deren vortheilhafterem Betrieb für den thätigen und strebsamen Oekonomen endlich auch Maschinen und verbesserte Geräthe nöthig, und dieselben wurden aus dem maschinenreichen England eingeführt, wo die landwirthschaftlichen Maschinen schon viele Jahre bekannt und angewendet waren, ehe man in Deutschland über ihr Dasein noch Etwas mehr wußte, als nur das Allgemeinste. Die aus England importirten Maschinen waren aber stets enorm theuer und dieses war ein sehr bedeutendes Hinderniß, welches sich deren allgemeineren Verbreitung in Deutschland entgegenstellte. – Endlich versuchten es einzelne deutsche Mechaniker nach englischen Modellen Maschinen für den Gebrauch zu landwirthschaftlichen Zwecken herzustellen, welche bei allen Unvollkommenheiten der ersten Versuche sich doch als gelungen und praktisch brauchbar erwiesen. Nach und nach mehrte sich die Zahl der in Deutschland gebauten Maschinen und die steigende Nachfrage machte die Errichtung neuer Werkstätten möglich, welche indessen gewöhnlich mit einer Menge Hindernissen zu kämpfen hatten, ehe es ihnen gelang, ihren Fabrikaten Anerkennung und Geltung zu verschaffen. Denn obwohl die Anwendung von Maschinen bei der Landwirthschaft Angesichts der durch dieselben erzielten Erfolge nach und nach an Ausbreitung gewann, ob auch den kleineren Wirthschaften es jetzt möglich gemacht wurde, angemessen construirte Maschinen und verbesserte Geräthe für ihren Gebrauch zu erwerben, da die deutschen Fabrikate im Preis bedeutend billiger sich zeigten, und dabei dauerhafter und solider gearbeitet waren, als die englischen, so wurden die gebotenen günstigen Gelegenheiten nicht in dem Umfange benutzt, wie es wohl zu wünschen gewesen wäre und es im Interesse der Landwirthschaft gelegen hätte.

Die Einführung von Maschinen zu landwirthschaftlichem Gebrauch hatte vorzüglich in ihren Anfängen einen harten Kampf zu bestehen mit den Vorurtheilen der Menge; zum Theil war dieselbe schon deshalb gegen alles Maschinenwesen und jede sonstige Verbesserung in dem landwirthschaftlichen Fach eingenommen, weil es Neuerungen waren, bei deren Benutzung man nicht den althergebrachten, von Großvater und Urgroßvater ererbten Methoden folgen konnte. Jedermann weiß, daß in solchen Sachen namentlich der deutsche Landwirth zu seinem eignen Nachtheil oft übertrieben zäh ist. – Man hielt die Maschinenarbeit für untauglich und die Maschine selbst nur für mehr Kosten verursachend, als Gewinn bringend. Daß dieses Vorurtheil sich schwerer besiegen ließ, als es wohl sonst geschehen sein würde, lag zum Theil in Englands Verschulden, indem von dort aus eine Menge Maschinen und Geräthe nach dem Continent geschickt wurden, so daß dieses davon gleichsam überschwemmt war (– und zum Theil wohl heute noch ist –), welche in ihrer Mehrzahl auf bloße Spekulation mit Nachlässigkeit gearbeitet und construirt, ihrem Zweck nur höchst mangelhaft entsprachen und oft sogar sich als gänzlich unbrauchbar erwiesen, daß die auf Anschaffung dieser Gegenstände verwendeten, nicht selten bedeutend hohen Summen so gut wie verloren waren. Ein zweites wesentliches Hinderniß im Aufschwung des deutschen Maschinenbaues für landwirthschaftlichen Gebrauch war das bei den Deutschen von Alters hergebrachte und oft zur wahren Manie gewordene Vorurtheil, daß nur

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 183. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/191&oldid=- (Version vom 6.1.2019)