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Der Zwickauer Steinkohlenbau.
Geschichte.


Der Zwickauer Steinkohlenbau ist ein nicht allein für jene Gegend, sondern überhaupt für ganz Sachsen so wichtiger Industriezweig, daß es uns wohl gern gestattet wird, wenn wir dessen Geschichte von seinen ersten Anfängen bis auf die neueste Zeit, wo er einen so großartigen Aufschwung nahm und eine Quelle des Reichthums sonst so armer Gegenden wurde, ausführlicher verfolgen.

Die Steinkohle und ihre Benutzung ist schon seit den ältesten Zeiten bekannt. Der dreihundert Jahr vor Christus lebende berühmteste Naturforscher des Alterthums, Theophrostus, erzählt uns in seiner Naturgeschichte des Pflanzenreichs, daß die Steinkohlen von den Schmieden und Erzgießern der Landschaft Elis in Griechenland als Feuerungsmaterial benutzt wurden, und man auch in Ligurien welche fand. Daß die Chinesen sie fast ebenso lange kennen und benutzen, bezeugt der berühmte Venetianer Marko Polo, welcher 1280 China bereiste.

Der berühmte Steinkohlenbau in England und Schottland begann im dreizehnten Jahrhundert und der französische sogar erst im Anfang des achtzehnten. Der deutsche Steinkohlenbau wurde nach vorhandenen Nachrichten, in dem Bisthum Lüttich – damals noch deutsche Provinz – schon 1178 betrieben.

Der Zwickauer Steinkohlenbau ist aber jedenfalls der älteste in Deutschland und sein Entstehen läßt sich bis in das zehnte Jahrhundert zurück verfolgen, wo die gewerbfleißigen Sorbenwenden noch in diesem Gau heimisch waren, und ihre Feuerarbeiter sich zahlreich hier niederließen. Feuerarbeiter, herbeigezogen durch den Kohlenreichthum der Gegend, spielten auch in späteren Jahrhunderten noch eine große Rolle in Zwickau. Es wird selbst die Behauptung aufgestellt, daß das Auffinden der Steinkohlen in Verbindung mit der Gründung Zwickaus stehe und dieses seinen Namen ihnen verdanke, da hier, auf dem so reiches Feuerungsmaterial enthaltenden Boden, die Sorben ihren Feuergott Zwicz verehrten und davon der entstehenden Stadt den Namen Aue des Zwicz gegeben haben sollen.

Der Sage nach waren es Hirten, welche zuerst den Nutzen der Steinkohlen entdeckten, als sie auf der planitzer Flur ein Feuer anmachten, und zu ihrem Staunen die schwarzen Steine (Rosenkohlen) mit denen sie es umstellt, sich entzünden sahen. – So viel ist wenigstens gewiß, daß der Steinkohlenbau von Planitz Fluren ausging, wo, wie noch heute, die Kohlen zu Tage auslagen.

Der erste Steinkohlenbau kann nur Tagebau gewesen und erst als die obenliegenden Kohlen – Rosen-, Dach- oder Tagekohlen – erschöpft waren, kam man auf das Abteufen von Schächten. Doch hat man in jenen früheren Zeiten den Abbau der Kohlen wohl nur mit wenig Eifer betrieben und diesem heute so wichtigen Feuerungsmaterial einen großen Werth nicht beigelegt, bei dem großen Holzreichthum des Landes, wovon noch 1514 in Zwickau die Klafter hartes Holz für 6 Groschen und die Klafter weiches für 2½ Groschen gekauft wurde. Erst als die Waldungen sich lichteten und die Holzpreise stiegen, gewannen die Steinkohlen an Werth und man nahm deren Abbau mit mehr Eifer zur Hand.

Der erste sichere Nachweis des Kohlenbaus bei Zwickau findet sich von dem Jahre 1348 vor; doch mochten die Kohlen zu jener Zeit etwas in Verruf sein, da man behauptete, der Steinkohlenrauch sei der Gesundheit schädlich und noch 1611 sagen die alten Nachrichten, die in diesem Jahr grassirende Pest habe

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 195. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/203&oldid=3469524 (Version vom 6.1.2019)