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daß sich Sachsen heute dieser seiner bis jetzt einzigen Flachsspinnerei mit Recht als eines sehr lebenskräftigen Etablissements freuen kann; Sachsen darf hierauf auch mit gerechtem Stolze blicken, da es hierdurch nicht nur das englische Maschinen-Garn zum großen Theile verdrängt sieht, sondern auch, weil die Erzeugnisse aus dieser Anstalt kühn mit den englischen wetteifern und überall die größte Anerkennung finden.

Betrachten wir nun dieses rühmlichst bekannte Etablissement selbst näher, dessen Besitzer: Herr H. C. Müller, dessen Gattin, und die Herren Philipp, Gottlieb und Gustav Knoch sind.

In dem zwei Stunden von Zittau entfernten Städtchen Hirschfelde, wenige Minuten vor der Stadt an der nach Ostritz führenden Chaussee, am Eingange in das berühmte, wild-romantische, von hier sich mehrere Stunden lang auf beiden Seiten der Neiße bis zu dem Kloster Marienthal bei Ostritz erstreckende Neißthal, in einer äußerst herrlichen, malerischen Gegend liegt diese Flachsspinnerei.

Eine Menge massiver Gebäude bilden diese Anstalt und fallen dem Beschauer durch ihre freundliche, zweckmäßige Bauart angenehm in’s Auge, während mehrere hohe Schornsteine ihren Rauch stolz in die Wolken emporwirbeln lassen.

Fassen wir nun diese Gebäude ihren Zwecken und Bestimmungen nach näher in’s Auge, so finden wir hier:

1) das Spinnereigebäude mit Turbinenhaus,
2) die Maschinen-Werkstätte,
3) das Trocknenhaus,
4) das Flachsmagazin,
5) das Packhaus,
6) das Mühlengebäude mit Wohnhaus und Comptoir,
7) das Getreide- und Mehl-Magazin,
8) das Hechelei-Gebäude,
9) die Schneidemühle mit Scheune und Schuppen.

Aber auch ein Garten fehlt nicht, welcher unseren Industriellen das Zeugniß giebt, daß sie über ihren Berufsgeschäften auch das Angenehme und Schöne nicht vergessen.

Wie sehr der nimmermüde Geist des Herrn Müller fortwährend auf Alles bedacht ist, was seinem Etablissement von Nutzen sein kann, beweiset auch u. a. eine eigene Gasbereitungs-Anstalt, welche dasselbe mit 400 Gasflammen erleuchtet.

Diese ganze Fabrik-Anstalt umfaßt als Branchen: die Leinengarn-Spinnerei, Twines-, Schuhgarn- und Zwirn-Fabrikation, eine Mahlmühle und Bretschneide, und ihre Haupterzeugnisse sind, wie schon hieraus hervorgeht: Leinengarn, Zwirn, Twines und Schuhgarn.

Wie sehr diese Erzeugnisse geschätzt sind, beweiset ihr bedeutender Absatz durch die gesammten Zollvereinsstaaten und Oesterreich, wie denn auch dieselben auf allen Industrieausstellungen als vorzüglich anerkannt und gekrönt worden sind; so erhielt in Leipzig das Leinengarn, in München die Zwirne, Twines und Schuhgarn die Prämien.

Diese Fabrik, welche fortwährend über 400 Arbeiter beschäftigt, hat 3 Turbinen von 100 Pferdekraft und 2 Dampfmaschinen von zusammen 50 Pferdekraft, welche dieselbe in Bewegung setzen.

Es unterliegt keinem Zweifel und ist jeder mit der Industrie Sachsens nur einigermaßen Vertraute fest davon überzeugt, daß diesem im Ganzen noch immer jungen und blühenden Etablissement auch noch, wie bereits von uns erwähnt worden ist, eine glänzende Zukunft bevorsteht!



Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/21&oldid=- (Version vom 17.6.2018)