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welche ohne die Beachtung der nöthigen Vorsichtsmaßregeln einfuhren, büßten diese Nachläsigkeit mit ihrem Leben.

Endlich gehören zu den Gefahren des Bergmanns noch das Einstürzen von Grubenwänden und das Einbrechen der Decken, welches trotz der Auszimmerung zu Zeiten vorkommt.

Jeder Grube steht ein Steiger vor, welcher gewöhnlich zugleich Kohlenmesser und Kohlenschreiber ist; bei den größeren Gruben sind aber noch Obersteiger angestellt, sowie Schichtenmeister und Bergverwalter. Die Bestimmung der unterirdischen Grenzen der Kohlenwerke ist Obliegenheit der Markscheider. Ehemals hatte der Steiger die Kohlengewinnung im Gedinge und erhielt nebst dem Meßgelde von der Verladung pr. Karren sechs bis zwölf Neugroschen, wovon er den übrigen Arbeitsleuten für die Schicht von acht bis zwölf Stunden acht bis fünfzehn Neugroschen gab, wobei sich der Häuer aber verpflichten mußte, in der Schicht mindestens drei Karren Kohlen auszuhauen. Dabei hatte der Steiger das Werkzeug zu liefern. Jetzt aber erhalten die Steiger wie die Arbeiter ihren Wochenlohn von den Bergherrn oder aus den Vereinskassen.

Der Lohn der Kohlenarbeiter ist übrigens im Verhältniß ziemlich hoch und ein Zimmerling oder ein Häuer kann es durch fleißige Arbeit täglich auf einen Thaler bringen.

Wir wenden uns mm zu einem mit dem Steinkohlenbau verbundenen Industriezweig, der

Koksfabrikation,

um das hier befolgte Verfahren näher zu betrachten.

Der Steinkohle sind eine Menge harzige und schwefliche Theile beigemischt, oder auch enthalten sie erdige und metallische Stoffe, welche ausgeschieden werden müssen, um den reinen Kohlenstoff, die Koks, zu erlangen, welche, gut bereitet, eine weit höhere Hitze als die gewöhnliche Kohle erzeugen.

Zu der Koksbereitung ist nur die klare Pechkohle tauglich, welche zu anderem Gebrauch fast werthlos genannt werden muß. – Die Pechkohle muß erst von den ihr anhängenden Erden, Steinen und Schiefern durch Waschen und Schlämmen mit Wasser gereinigt werden, welches auf folgende Weise geschieht: die Pechkohlen werden in eine etwas geneigte Rinne geworfen und dann wird Wasser durch sie geleitet; das Wasser nimmt die leichtere Kohle mit sich fort in einen großen Kasten, wo sie liegen bleibt, während Steine und Schiefer in der Rinne zurückbleiben und der Kohlenstaub und Schmutz mit dem Wasser fortgeht.

Nun kommt die so gereinigte Kohle in den Koksofen. Der Koksofen ist durchgängig aus den feuerfestesten Thonziegeln gebaut, denn gewöhnliche Lehmziegeln würde die ungeheuere Hitze schmelzen und der Ofen zusammenstürzen. Der Ofen hat die Form eines Backofens, ist länglich viereckig und im Innern befindet sich ein niederer abschüssiger Herd. An der Hinterseite des Ofens ragt der Fuchs hervor, eine mitten durch das Gewölbe gehende Esse; vorn aber hat der Ofen eine viereckige Oeffnung. Solcher Oefen befinden sich immer eine ganze Reihe neben einander, bei großen Werken oft über dreißig. Die gewaschenen Kohlen werden durch den Fuchs in den Ofen geschüttet und durch die vordere Oeffnung mittelst leichter Krücken auf dem Herde gleichmäßig ausgebreitet, so daß die Kohlen ungefähr eine Elle hoch liegen. Gewöhnlich sind zehn Karren zur Füllung eines Ofens erforderlich. Nach geschehener Füllung wird die vordere Oeffnung mit Ziegeln versetzt und jede Fuge mit Lehm verstrichen.

Ist der Ofen neu, so muß die Kohle durch ein starkes Holzfeuer unter dem Herde entzündet werden, ist aber der Ofen schon im Gange, so glüht er noch von dem letzten Brande her und die aufgeschütteten Kohlen entzünden sich von selbst. Dem Fuchs entsteigt nun ein dichter, schwarzer, von Schwefelstreifen

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 207. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/215&oldid=- (Version vom 9.3.2019)