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Die Oehlersche Fabrik in Crimmitzschau.
(Mit Abbildung.)


Wir kommen jetzt zu einem Ort, der unter den Fabrikstädten Sachsens einen vorzüglichen Rang einnimmt und denselben auf das Würdigste behauptet, nach Crimmitzschau. Diese Stadt ist in einem freundlichen Thal, größtentheils an den Ufern der Pleiße, theils an der sächsisch-bairischen Eisenbahn gelegen und auf der östlichen und westlichen Seite von mäßig hohen Bergen umgeben. Der Reisende staunt bei dem Herannahen an die verhältnißmäßig nicht eben groß zu nennende Stadt über den wahren Wald von Dampfessen, welcher sich oft dicht zusammengedrängt auf allen Stellen erhebt, sowohl mitten in der Stadt, wie um die Stadt, so daß der ganze Platz fast den Anblick gewährt, als sei er eine einzige große Fabrik. In der That hat auch Crimmitzschau bei einer drei Mal geringeren Häuserzahl (545) und vier Mal weniger Einwohnern (8322) als Chemnitz doch mehr Dampfmaschinen im Gange als jener Hauptpunkt der sächsischen Industrie.

Diesen großartigen Aufschwung nahm die Industrie Crimmitzschaus erst seit ohngefähr fünfzig Jahren; vorzüglich in den letzten zwanzig Jahren machte sie gewaltige Fortschritte, und erwarb sich mit jedem Jahre mehr Anerkennung ihres Strebens.

In früheren Zeiten war Crimmitzschau in Hinsicht auf Gewerbe ein ganz unbedeutender Ort, die Einwohner beschäftigten sich mit Ackerbau oder der Bierbrauerei, welche Letztere eine lange Zeit nicht nur im guten Ruf stand, sondern sogar berühmt war; Crimmitzschauer Bier wurde nach allen Richtungen und zum Theil nach sehr entfernten Orten versendet, so z. B. nach Erfurt. Blos wegen der Bierbrauerei wurde in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts (1642) eine Holzflöße auf der Pleiße angelegt, welche gegen achtzig Jahr im Gange war, dann aber, bei dem Sinken der Brauerei gänzlich einging.

Die Tuchmacherei begann hier frühzeitig und namentlich suchte ein Herr Federangel, welcher um das Jahr 1474 Besitzer von Crimmitzschau war, dieselbe zu heben, indem er eine Tuchmacherinnung einrichtete, welche dann ihre Tuche, zuerst in ganz Sachsen, beschauen und mit einem bleiernen Zeichen stempeln ließ. Doch wollte dieses Gewerbe nicht recht gedeihen und während der stürmischen Zeiten des dreißigjährigen Krieges, wo Crimmitzschau Leiden aller Art erdulden mußte, bald von den Kaiserlichen, erst unter Holke und dann unter Salis, bald von den Schweden geplündert und von den Letzteren unter Banner sogar gänzlich niedergebrannt wurde, wo die Pest zwei Mal wüthete und den größten Theil der Einwohner hinwegraffte, sank es gänzlich und konnte sich nicht wieder erholen. Noch 1768 gab es nur acht Tuchmacher in Crimmitzschau.

Aber in dem genannten Jahre war längst schon der Grund zu dem späteren Aufblühen dieser für Sachsen jetzt so wichtigen Fabrikstadt gelegt. David Oehler war der Mann, welchem das Verdienst gebührt, erster Gründer der Industrie und des jetzigen Fabrikats Crimmitzschaus geworden zu sein. Er legte im Jahr 1748 eine Färberei und eine Fabrik an und bemühte sich nach Kräften, die Gewerbthätigkeit seines Wohnorts zu heben.

Noch mehr geschah dieses durch seinen Nachfolger David Friedrich Oehler, welcher sich mit einem zweiten strebsamen Manne Johann Christian Seyferth associirte, worauf die Fabrik eines um so glücklicheren Fortgangs sich erfreute und einen ausgebreiteten Ruf gewann. Oehler bestrebte sich, die Fabrik durch Anwendung der neuesten Verbesserungen und durch eigene Erfindungen zu vervollkommnen,

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 225. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/233&oldid=- (Version vom 9.3.2019)