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die man dem Engländer Roberts verdankte, welcher diese Maschine 1825 zuerst herstellte. Bei den gewöhnlichen Mulemaschinen muß das Einfahren des sogenannten Wagens und die Aufwickelung des Gespinnstes durch Korbeldrehung mit der Hand verrichtet werden, bei der selbstthätigen Mulemaschine oder Selfaktor (Selbstfaktor, Selbstmacher) geschieht dieses aber durch einen besonderen Mechanismus.

Der durch den Selfactorbetrieb zu erzielenden Vortheile sind nicht wenige: Ersparniß an Arbeitslohn, erhöhte Leistung selbst gegen den besten Spinner, gleichmäßigere, von dem Handbetrieb unabhängige Drehung, Erzielung von festeren, gleichmäßiger geformten Kötzern oder Bobinen, die bei dem Verpacken weniger Raum erfordern, und bei dem Abhaspeln oder bei der Verwendung als Schußspulen weniger Fadenbrüche und Abfälle geben. Diese wesentlichen Vortheile haben dieser sinnreichen Maschine bereits allgemeinen Eingang verschafft und verschiedene Verbesserungen an derselben hervorgerufen.

Zu den vorzüglichsten Verbesserungen dieser Vorrichtung gehört ohne Zweifel die von den Gebrüdern Lauckner erfundene und von der Staatsregierung patentirte. Der erste hier aufgestellte Selfactor war nach Angabe der Herren Erfinder in der Maschinenbauanstalt zu Schlema gebaut.

Beschäftigung finden hier fortwährend 70 Personen, unter diesen 8 Maschinenbauer.

Besitzer des Etablissements sind die Herren R. und C. Lauckner, welche es im Jahre 1836 gründeten und es erst für Kammgarnspinnerei bestimmten, welche aber später in Baumwollenspinnerei umgewandelt wurde. Die erste Zeit waren 3024 Spindeln im Gange, welche Zahl sich aber nach und nach auf das Doppelte steigerte.




Wir wenden uns jetzt zu einem ganz neu gegründeten, schön und systematisch angelegten und in allen seinen Theilen hohes Interesse erregenden Etablissement, der


Maschinenfabrik von Johann Zimmermann in Chemnitz.
(Mit Abbildung.)


Es werden in dieser Fabrik ausschließlich Hilfs- und Werkzeugmaschinen, jedoch in allen, auch den größten Dimensionen gebaut, welche durch zweckmäßige Construction, solide und stabile Bauart schnell sich überall einen guten Ruf begründet haben; so daß man jetzt von vielen Seiten davon abkommt, dergleichen Maschinen aus England zu beziehen, da die hier gebauten den englischen in keiner Beziehung nachstehen.

Der Gründer und Besitzer dieser Anstalt, Herr Johann Zimmermann, ist ein junger, intelligenter, technisch gebildeter und praktisch erfahrener Mann, welcher durch Festhalten seines Princips: nur solide Arbeit durchzulassen und gute Arbeiter heranzubilden, und durch das stete Streben, den besten englischen Werkstätten nachzukommen, seine Bemühungen mit gutem Erfolg gekrönt sieht; denn nicht nur kaufen und empfehlen die intelligentesten deutschen Techniker, und namentlich solche, welche bisher nur englische


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 237. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/245&oldid=- (Version vom 9.3.2019)