Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/260

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Vor undenklichen Zeiten, mindestens in dem fünfzehnten Jahrhundert schon, war auf einer Strecke zwischen Cainsdorf und Planitz ein gegen dreißig Fuß mächtiges Rußkohlenflötz in Brand gerathen, von dem schon der unter dem Namen des pirnaischen Mönches bekannte Historiograph Johannes Lindner (starb 1530) spricht. Er sagt: „bei Cwikawa ist ein bronnender (brennender) Berg, daher manch Fuder steinene Kohlen wird zu Markte gebracht; man besorgt sich daher unüberwindlichen Schaden.“ Von dem berühmten Mineralogen und Begründer der Metallurgie, Georg Agricola, geboren in Glauchau 1494, erhalten wir die ersten ausführlichen, wenn wohl auch hin und wieder sehr an Uebertreibung leidenden Nachrichten von dem Kohlenbrande; er erzählt, daß es 1505 aus mehreren Schächten förmlich zu Tage ausgebrannt, das Zimmerholz in den Gruben verkohlt sei, und dieses Feuer habe die Bäume auf der Oberfläche versengt. Agricola setzt hinzu, daß dieser Brand der Stadt Zwickau große Furcht eingejagt habe, und vergleicht ihn an anderer Stelle wieder mit dem Ausbruch des Aetna und Vesuv.

Peter Albinus spricht in seiner meißnischen Bergchronik ebenfalls von diesem Brande und erzählt, derselbe sei im Jahr 1479 dadurch entstanden, daß ein Jäger auf der Fuchsjagd in einen Schacht geschossen. Dieses klingt allerdings wenig wahrscheinlich, zudem anzunehmen, daß der Brand schon lange vor 1479 herrschte. Andere Nachrichten sagen, das unterirdische Feuer sei durch das Ausbrennen eines Fuchses oder durch Anzünden eines Ameisenhaufens an einer Stelle, wo die Kohlen zu Tage ausstrichen, entstanden; auch Entzündung durch einschlagenden Blitz wird als Ursache des Brandes aufgestellt. Jetzt aber einigen sich die mehrsten Stimmen dahin, dieser verderbliche Brand sei eine Folge von Selbstentzündung, wie sie in England, Belgien, Schlesien, an der Saar und auf dem Zwickauer Revier schon ähnliche Brände verursacht hat, und welche vorzugsweise dann leicht entstehen können, wenn nach anhaltender Dürre ein starker Regen fällt. Dann vereinigt sich die Feuchtigkeit des in der Halde liegenden Schwefelkieses mit den benachbarten Eisentheilen, und erzeugt so ein schwefelsaures Eisenoxidul, welcher Prozeß unter starker Wärmeentwickelung, die in verschlossenen Räumen, mit Hilfe benachbarter brennbarer Stoffe, bis zu wirklichem Aufflammen sich steigern kann, vor sich zu gehen pflegt.

Gegen Ende des sechszehnten Jahrhunderts geschieht des unterirdischen Brandes keiner Erwähnung mehr. Aber im Mai 1641 wurde dieser Brand von den kaiserlichen Soldaten unter General von Borray neu angefacht, wie bereits in einem früheren Artikel erwähnt ist (Seite 103), und hat bis auf heutigen Tag ohne Unterbrechung fortgedauert, allen Anstrengungen ihn zu dämpfen spottend und mehr als ein Mal zur Verstürzung der nahe gelegenen Schächte zwingend.

Nach Zeugenaussagen wären auch die früheren Löschversuche geflissentlich nachlässig betrieben worden, indem die mit deren Leitung Beauftragten, der Amtsverwalter Gramm und der Bergmeister Lochmann in Compagnie das Reinsdorfer Kohlenwerk an sich gebracht und also wenig Interesse hatten, der Vernichtung eines concurrirenden Kohlenwerks zu steuern. So kam es, daß von 1668–1675 die Kohlenförderung auf Planitzer Revier gänzlich eingestellt werden mußte, da der Brand mit wachsender Heftigkeit vordrang. Unter der Erde rollte und krachte es wie Kanonendonner und aus allen Schächten stiegen ungeheure Rauchsäulen. Die in an das brennende Flötz gränzenden Gruben arbeitenden Bergleute klagten in einem Bericht an den Kurfürst, als damaligen Besitzer von Planitz, „das unterirdische Feuer sei so stark, daß es ihnen die Lichter schmelze und die Schuhe an den Füßen verbrenne, ja, daß sie der Hitze wegen genöthigt seien, in den Gruben fast ganz nackt zu arbeiten und obendrein noch alle Augenblicke befürchten müßten, von dem einstürzenden Erdreich erschlagen zu werden.“

Die Behörden und endlich ganze Vereine unter dem Namen „Löschkonsortschaft“ arbeiteten nun an der Dämpfung des Feuers, ohne ihm Grenzen setzen zu können. Ja, es wurde sogar das Uebel noch schlimmer gemacht, als man ein großes unterirdisches Spritzenwerk anlegte; der dadurch entstandene

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 252. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/260&oldid=3061220 (Version vom 4.11.2017)