Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/261

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

Luftzug und die chemische Zersetzung des Wassers in der großen Hitze vermehrten die Heftigkeit des Brandes. Daß durch Anfeuchten der Steinkohlen deren Hitzeerzeugung noch vermehrt wird, ist eine bekannte Thatsache. 1700 und 1751 entstanden neue Ausbrüche, die nur durch Verstürzung der Gruben gedämpft werden konnten; aber schon im Februar 1758 brach das Feuer mit neuer Heftigkeit zu Tage aus und nahm einen Umkreis von tausend Schritt ein und auch hier mußte wieder ein Schacht verstürzt, so wie der Planitzer Stollen verrammelt werden, um dem Feuer die Luft zu entziehen und es so zu ersticken. Die Sache erschien überhaupt so gefährlich, daß von der Obrigkeit ein besonderer Feueraufseher angestellt wurde. 1766, 1775, 1776 und 1799 brach das Feuer wiederholt aus und es wurden deshalb 1816 sämmtliche Planitzer Schächte verschüttet, und 1824 mußte man sich endlich entschließen, alle weiteren Löschversuche, als bei großer Kostspieligkeit gänzlich erfolglos, aufzugeben und das Kohlenflötz dem Feuer zu überlassen, welches seitdem ungestört seinen Raub verzehrte und 1838, sowie im April 1849 in hellen Flammen zu Tage ausbrach.

Nach diesem letzten Ausbruch ward ein Versuch gemacht, das Feuer durch Einleitung von kohlensaurem Gas zu ersticken, da aber auch dieser mißlang, hat man die Hoffnung aufgegeben, das Feuer zu dämpfen und bestrebt sich nur noch, seinem Vordringen durch Abbau der Flötze Grenzen zu setzen.

Die größte Tiefe des unterirdischen Feuers mag bis zu zweihundert Fuß in senkrechter Richtung gehen, und es erstreckt sich von Osten nach Westen in einer Länge von dreihundert Lachtern und in einer Breite von sechszig Lachtern. Die sich hier entwickelnden Dämpfe, welche wie Chlor in einer Fixbleiche riechen, gehen nur selten in senkrechter Richtung aufwärts, gewöhnlich suchen sie ihren Weg seitwärts durch alte Schächte, Risse und Klüfte des Seitengebirges.

Durch dieses unterirdische Feuer wird der ganze Boden erhitzt, und stellenweise kann man in einem ohngefähr einen Fuß tief eingegrabenen Gefäß sehr rasch Eier sieden. Daher kommt die eigenthümliche Erscheinung, daß während im Frühling und Sommer, wo Alles umher im schönsten Gewände der Natur prangt, eben dieser Platz kahl und ausgebraunt erschien, kaum daß ein dürftiges Gras fleckweise kümmerlich vegetirte, um aber auch in der Mitte des Sommers zu verdorren; Getreide gedieh nicht, Blumen gab es hier keine und ebensowenig stand ein Baum oder Strauch hier. Aber im Spätherbst und Winter, wenn das Leben ringsum abstarb oder zur langen Winterruhe überging und endlich von dem weichen, weißen Mantel des Schnees schützend bedeckt wurde, entwickelte sich auf dieser Stelle des Frühlings Pracht, und zauberhaft wirkte es dann wohl, wenn man bei dem härtesten Frost den Boden mit üppigem, weichem, sammtartigem und von einzelnen Blumen durchwehtem Rasen geschmückt fand; eine grüne Frühlingsoase in weiter, eisiger Winterwüste.

In den dreißiger Jahren kaufte der Doktor E. A. Geitner das Hüttenwerk Wilhelmine in Cainsdorf an und dabei richtete sich die Aufmerksamkeit dieses in der industriellen Welt auf das rühmlichste bekannten und unermüdet thätigen Mannes auch auf die nun in seiner nächsten Nähe sich befindenden Erdbrände, mit denen er sich möglichst genau bekannt machte. Bei diesen Untersuchungen entstand in ihm die originelle Idee, diese Erdbrände zu einem tropischen Pflanzengarten zu benutzen, und so den unfruchtbaren, todtgebrannten Boden zu zwingen, blühendem Leben dienstbar zu werden.

Dr. Geitners Idee fand bei dem Herrn von Arnim, dem Besitzer des Grund und Bodens bereitwillig Unterstützung und so begann denn im Frühjahr 1837 die versuchsweise Erziehung frühzeitiger Gemüse in einem sogenannten holländischen Kasten mit sechs Fenstern. Der beste Erfolg belohnte diesen Versuch, und es entstanden in demselben Jahre noch mehrere Treibebeete und ein Glashaus.

Die Sache machte Aufsehen, die Neuheit des Gedankens, der erste gute Erfolg reizte und leicht war es Dr. Geitner, eine Aktiengesellschaft zu gründen, um das im Entstehen begriffene Etablissement zum

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 253. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/261&oldid=3061238 (Version vom 4.11.2017)