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ein Cycadeenhaus;
ein Gardenienhaus;
ein Azaleenhaus;
ein Haus für kalte Vermehrung;
ein Conversatorium für Kalthauspflanzen im Allgemeinen;
vier gemauerte Ananaskästen und noch viele andere Kästen;
ein Packhaus mit der Wohnung des Obergärtners, und
ein im Schweizerstyl geschmackvoll erbautes Wohnhaus des Besitzers.

Hinsichtlich des Palmenhauses sei noch bemerkt, daß es an Größe und Zweckmäßigkeit auf dem Continent wohl von keinem anderen übertroffen werden dürfte.

Die Erwärmung dieser Häuser bis zu einem beliebigen Temperaturgrade wird durch horizontale Kanäle von zwei bis drei Fuß Höhe und über vier Fuß Weite bewirkt, welche aus den in die Erdklüftungen senkrecht eingelassenen Rauchfangröhren (Fümetten) mit heißen Wasserdämpfen gespeist, und zum Schutz der Pflanzen vor Ueberhitzung mit drei Zoll dicken Stangen und gleichstarker Lehmschicht bedeckt werden, worauf dann erst bei den Ananasbeeten die gute Gartenerde kommt, während die übrigen Warmhauspflanzen auf besonderen Stellagen stehen, unter denen ein hohler Raum mit Luftzügen die übermäßige Wärme anderweit vermindert.

Außer diesem besitzt Herr G. Geitner noch ein Gut in Planitz, auf dessen Grundstücken eine Baumschule, mit Einschluß von Landrosen und Stauden angelegt, eine Anlage, die nach ihrer Vollendung als Muster ihrer Art dastehen und ihr eignes Personal erhalten wird.

Das Etablissement umfaßt als Branchen: den Pflanzenhandel, das Importgeschäft und die Ananastreiberei; späterhin kommen noch die Baumschulen hinzu.

Als Haupterzeugnisse verdienen besonders bemerkt zu werden: die Ananas, von denen Früchte fast das ganze Jahr vorräthig sind; Palmen, Baumfarren, technisch officinelle Pflanzen, Aroideen, Gardenien, Orchideen, Azaleen, Camellien, Rosen u.s.w.

Ueber den Reichthum der hier befindlichen Pflanzen giebt der Catalog des Herrn Geitner die beste Auskunft. Die Cataloge des Herrn Geitner haben übrigens nicht nur in Deutschland, sondern auch weit über dessen Grenzen hinaus den Ruhm, die Krone aller Cataloge zu sein, denn sie sind kein gewöhnlicher trockener Preiscourant, sondern man kann sie als Taschenbuch und Leitfaden für jeden Pflanzenfreund betrachten; die vorhandenen Pflanzen sind correkt und streng wissenschaftlich bezeichnet, mit den Namen der ersten Beschreiber sowie mit den für sie existirenden Synonymen versehen, wodurch die Geschäftsfreunde des Herrn Geitner vor dem Beziehen einer und derselben Pflanze unter verschiedenen Namen gesichert sind. Der neueste Preiscourant Nr. 17 umfaßt 92 Seiten in 8.

Die Pflanzen werden nicht nur durch ganz Deutschland, sondern auch weit über dessen Grenzen hinaus versendet, vorzüglich nach Rußland, Polen, Ungarn, der Schweiz u.s.w. Erst kürzlich schloß Herr Geitner mit einem regierenden Fürsten Deutschlands ein Geschäft von mehreren tausend Thalern für Palmen ab; gleichwohl sind keine Lücken zu bemerken, denn es wurde fast mehr wieder angekauft, als abging. Dergleichen Thatsachen sind der beste Beweis für die Lebenskräftigkeit des Instituts.

Das Importiren der Pflanzen aus allen Welttheilen geschieht durch eigene Reisenden des Herrn Geitner, welcher dabei nicht unerhebliche Opfer bringt. Auch sind erst kürzlich wieder neue überseeische Verbindungen angeknüpft worden, wodurch es ermöglicht wird, neue Einführungen von hier aus ununterbrochen dem Handel zu übergeben.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 257. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/265&oldid=3074542 (Version vom 25.12.2017)