Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/267

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

ihren originellen Netzbau der Blätter, welcher ein Meisterstück symetrischer Ordnung genannt worden und von dem das Gewächs auch den Namen Gitterpflanze erhielt. Hier sind auch die Aroideen, Scitamineen und Musaceen aufgestellt, sowie wir hier die technisch-officinellen Pflanzen finden, welche, sowie tropische Fruchtbäume, sehr reich vertreten sind.

Wir sehen hier z. B. Kaffeebäume, Cacaomalven und Cacaobäume, Gewürzrinde, Peraguaythee, Zimmtcassin und ächten Zimmt, Nelkenpfeffer, Betelpfeffer, Zuckerrohr, grünen Thee, Affenbrodbäume; Brodbäume, die Magostani, Convoloulus Batatas und Dioscorea Batatas, welche Beide als Ersatzmittel der Kartoffel empfohlen sind und sich in Deutschland sehr gut cultiviren lassen; Bambusrohr, den Gummibaum, den Milchbaum, einen der merkwürdigsten Bäume Südamerikas, welcher gleich unsern Kühen trinkbare Milch liefert, Brasilienholz, Kampferbäume, Mahagony, Tamarinden und endlich Strychnos Carare, der Wurara, Giftbaum, welcher als die das furchtbarste Gift, den Strychnin, enthaltende Pflanze bezeichnet wird.

Eine neue Wunderwelt wird erschlossen, wenn wir in das Orchideenhaus treten, wo wir eine herrliche Sammlung dieser merkwürdigen Familie finden. – G. Geitner sagt in seinem Catalog selbst darüber: „Die Orchideen bilden offenkundig den Gegensatz zu den Farrn, denn was ihnen, mit einziger Ausnahme der brillanten Anoecochils und Goodyera, die Natur an Blätterschmuck entzog, das ist in überschwenglichem Maaße auf deren Blüthen gefallen, die nicht nur den Farbenreichthum und die Pracht der Schöpfung bekunden, sondern auch durch die verschiedensten Stellungen, bald hängend, bald emporsteigend, einzeln in gigantischer Größe oder zu Hunderten in langen Trauben imponiren; auch außer dem Genußsinn noch dem Geiste reiche Nahrung durch ihre originellen, tausendfältigen Formen geben, die bald einem mit Beute beladenen Adler, bald dem brillantesten Schmetterling und anderen Insekten gleichend, der Phantasie unendlichen Spielraum lassen und einen bezaubernden, geheimnißvollen Reiz auf jeden Beschauer ausüben.“

Neu ist die hier zuerst unternommene Cultur der Orchideen auf Torfstücke, und deren dem originellen Charakter dieser Schmarotzerpflanzen entsprechende Gruppirung auf Baumstämmen.

Das ganze Orchideenhaus durchrankt ein großartiges Exemplar der Schlauch- und Kannenpflanze (Nepenther destillatoria), welche Schläuche von fast Fußlänge trägt.

Unter der Masse anderer Pflanzen finden wir noch die zahlreichen Charlwoodia, Ficus, Passifloren, Acanthacae Passifloren, Acanthaceae, Amarylliden und Ciliaceen, Bogonien, Bromeliaceae, Anchimenes, Geoscinien, Gardonien, das reiche Sortiment der Camellien, Azaleen, Coniferae, Fuchsia, Georginen, Pelargonien, Petunien, Rhododendron, Rosen, Verbenen u.s.w.

Als ein Wunder der Schöpfung ist die hier zahlreich cultivirte zierliche Dionaea Muscipula, die Fliegenstelle der Venus, zu betrachten, nicht minder das nette und empfindliche Biophytum sensiticum, welches bei Berührung die Blätter rückwärts zusammenlegt, wie sein Seitenstück, Mimosa pudica, vorwärts. Die Pilea serpyllifolia fesselt die Aufmerksamkeit Aller, die sich die Mühe nehmen wollen, ihr einige Knospen abzukneipen, oder die ganze Pflanze mit lauem Wasser zu besprengen; die ersten werden in der hohlen Hand zerspringen und ein Kreuz formiren, und die letzteren werden Stunden lang explodiren, so daß kleine Staubwölkchen nach allen Richtungen auffliegen.

Schlüßlich entnehmen wir einem in der wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung enthaltenen Artikel über dieses Etablissement folgende Stelle: „Nimmt man an, daß das hiesige Etablissement im Unterschiede von fast allen großen Handelsgärten des Continents, welche in oder bei Großstädten liegend, ihr Hauptgeschäft meist in Luxuspflanzen am Platze selbst machen, bei seiner Abgeschiedenheit vom großen Tagesverkehr fast gar keinen localen Markt hat, daß ihm ferner aus den zunächst zur Pflege der Wissenschaft

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 259. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/267&oldid=3074543 (Version vom 25.12.2017)