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berufenen großen botanischen und Privatgärten des Inlandes eher Concurrenz als Unterstützung erwächst, während anderseits die Hunderte von einheimischen wie fremden Besuchern, vom Besitzer hierin unbeirrt, ihm gleichsam den Charakter eines museum usui publico patens octroiren; in der That, so muß man anerkennen, und die besten Gartenzeitungen, die berühmtesten Gelehrten, haben es vor uns öffentlich und im Stillen vielfach gethan, daß es nicht der warme Boden der Planitzer Erdbrände, wohl aber der warme Sinn für Natur und Wissenschaft, der hier waltet, und die aufopferungsvolle Bethätigung dieses Sinnes es sind, welche Sachsens Ruhm bei allen civilisirten Nationen der Erde erhöhen, und auch im fernsten Auslande erhalten helfen. – Möchte das engere Vaterland, von dem bescheidenen Fensterzüchter an bis hinauf zu dem sein sollenden und könnenden Mäcenaten der Gartenkunst diesem patriotischen Verdienste gegenüber mehr als bisher es für eine patriotische Schuld erkennen, daß endlich den Russen, Polen, Preußen, Oesterreichern u.s.w. der Ruhm streitig gemacht werde, als ob sie allein es seien, deren großartiger Consum das Gedeihen und den Aufschwung des neidenswerthen Etablissements in seinem Vaterlande ermöglichen.“


In vorstehendem Artikel besprachen wir die Schöpfung eines um Sachsens Industrie hochverdienten Mannes, sowie wir schon früher (pag. 76) die Schilderung einer anderen Schöpfung desselben brachten. Es wird nun den Lesern gewiß nicht unwillkommen sein, wenn wir auch dem Manne, dessen Genie und Thätigkeit die besprochenen Etablissements ihre Begründung verdanken, dem

Doktor Ernst August Geitner

einige Worte widmen.

Ernst August Geitner wurde am 13. Juni 1783 in Gera geboren, wo sein Vater als Subrector am Gymnasium angestellt war, welcher den Sohn zum Studium der Theologie bestimmte. Doch der junge Geitner fühlte dazu keinen Beruf und vertauschte schon nach Jahresfrist die Theologie mit der Medizin, wobei er sich den vermehrten Geldaufwand theils durch Anlegung von Herbarien, theils durch kleine schriftstellerische Arbeiten verdiente. Später wurde er Famulus bei dem Doktor Sachse, welcher den wissenschaftlich gebildeten Mann liebgewann und ihn später dem damaligen sächsischen Conferenzminister Graf Einsiedel empfahl, welcher sich von den Staatsgeschäften nach Mückenberg zurückgezogen hatte. Einsiedel nahm den jungen Mann als Chemiker und Privatsekretär an und diesem wurde so die schönste Gelegenheit, sich in den Eisenwerken und anderen Unternehmungen seinem Lieblingsfach, der technischen Chemie zu widmen.

In diesem Verhältniß blieb Geitner bis 1809, wo er sich als praktischer Arzt in Lößnitz im Schönburgischen niederließ und 1810 verheirathete. Seine Vorliebe für technische Chemie bewog ihn, bald nach seiner Verheirathung eine chemische Produktenfabrik zu errichten, in welcher für die zahlreichen, durch die Continentalsperre aufblühenden Fabriken Sachsens zuerst die erdigen und metallischen Verbindungen bereitet wurden, die nebst anderen nicht minder wichtigen, besonders für Kattunfabriken anwendbaren Erzeugnissen, einen segensreichen Einfluß bethätigten. In dieser Zeit entstand auch die innige Freundschaft mit Dr. von Kurrer, der alle Erfindungen und Verbesserungen seines Freundes einer genauen Prüfung unterzog, ehe sie an die Druckereien und Färbereien abgegeben wurden; auch wirkte Kurrer kräftig mit, als Geitner zuerst in Deutschland die holzsauren Salze, als: Holzsaures Eisen, Thonerde, Blei, Kalk u.s.w. fabrikmäßig herstellte, die späterhin in allen industriellen Ländern eine wichtige Rolle spielten und über deren Verwendung in der Färbekunst Kurrer eine eigene Abhandlung erscheinen ließ (Schweiggers Journal für Chemie und Physik, 9. Band).

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 260. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/268&oldid=3074544 (Version vom 25.12.2017)