Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/29

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Hüttenmann, der durch Feuer und Quecksilber die rechte Frucht erst zu Tage bringt. Die Erzlagerstätten, welche das Freiberger Gneißgebirge in sich einschließt, enthalten folgende Mineralien zumeist: Bleiglanz, gediegenes Silber, und zwar haarförmig, drahtförmig, in Blättern und theilweise compakt; Rothgiltigerz, das dunkle und lichte, wegen seines blutrothen Durchscheinens so genannt, und eines der edelsten und charakteristischsten Vorkommnisse hier; Glaserze, Weißgiltigerz, Fahlerz, Kupferkies, Zinkblende, Schwefel-, Eisen- und Arsenikkies. Dieser Mineralien wegen hat nun der Bergmann viele und Stunden lange Gallerien unter der Erde ausgearbeitet, 1500 bis 2000 Fuß tiefe Schächte gegraben, ganze Berge durchschossen, um in meilenlangen Tunneln Wasser für seine Maschinen herbeizuleiten, und, namentlich in neuerer Zeit, eine Menge bedeutender Dampfmaschinen aufgestellt, durch deren Kraft er theils das gewonnene Gestein, theils das unaufhörlich die Gesteinsschichten durchdringende Wasser aus seinem unterirdischen Gebäude herausschafft. Das jetzige Freiberger Bergamtsrevier hat folgende Grenzen: im Norden nach der preußischen Grenze zu die Mulde und Elbe, im Westen die Elbe und Weißeritz, im Süden die böhmische Landesgrenze, im Osten die Flöha, Zschopau, Chemnitz, die Zwickauer und später die vereinigte Mulde. Dieses Revier ist eingetheilt in fünf Geschwornenreviere. Die Gesammtzahl der Gruben in diesen Revieren beträgt circa 110. Die ihrem Umfang und ihrem Reichthum nach wichtigsten Gruben darunter sind: Himmelfahrt, Himmelsfürst, Hohe Birke, Alte Mordgrube, Alte Hoffnung, Gottes Erbstolln, Gesegnete Bergmannshoffnung, Segen Gottes, Churprinz, Bescheert Glück, Vereinigt Feld. Viele Gruben aus älteren Zeiten sind verarmt, da man ihre Erzlagerstätten gänzlich abgebaut hat, oder da sich die Erze auf denselben nach und nach verunedelten, viele sind gänzlich zum Erliegen gekommen, da man entweder nicht genug Maschinenkraft besaß, die übermäßig zufließenden Wasser herauszuheben, oder durch großartige Zusammenbrechung von Gesteinsmassen, viele haben sich bald sehr großer, bald sehr geringer Erzmittel längere oder kürzere Zeit zu erfreuen gehabt; jedoch wenn auch auf der einen Grube die Erze schwanden, auf einer anderen wurden immer wieder herrliche Anbrüche gemacht, wenn auch die eine Grube zum Erliegen kam, auf einem andern Punkte entstanden neuere dafür, und so ist es denn dahin gekommen, daß gerade jetzt die Production an Silber und Blei im Freiberger Revier einen so hohen Standpunkt erreicht hat, wie er nie in vergangenen Jahrhunderten dagewesen ist. Gegenwärtig werden nämlich bei den hiesigen Gruben jährlich 30,000 bis 35,000 Pfund Silber und etliche 20,000 Centner Blei gewonnen. So viel im Allgemeinen über Freiberg und seinen Bergbau; wenden wir uns nun zu der jetzt regierenden Herrscherin, zu der Königin der Freiberger Gruben, das ist:


Himmelfahrt sammt Abraham Fundgrube.
(Hierzu eine Abbildung.)


Vor Anfang des Jahres 1830 eine der armseligsten und geringsten Gruben, ist sie jetzt das erste und vornehmste Berggebäude unseres Vaterlandes; vor jener Zeit konnte der sie im Verein mit 2 Bergleuten betreibende Steiger kaum das Lohn für seine Mühe erarbeiten, ja es ist Thatsache, daß dieser Steiger weniges Geld auf Pfand lieh, um nur die nöthigen Materialien herbeizuschaffen zum Fortbetrieb der Arbeiten; jetzt wird die Grube verwaltet von einem Grubenvorstand, zwei Schichtmeistern, einem Controleur, mehreren Obersteigern und Untersteigern, Gänghäuern, und es arbeiten auf ihr über 2000 Bergleute; vor jener Zeit konnte man für zwei alte Groschen einen Kux, das ist einer von jenen 128 Theilen, in welche der Besitz einer Grube eingetheilt ist, auf Himmelfahrt sehr schnell erhalten, jetzt hält es sehr schwer, einen solchen Kux für 6000 Thaler zu erlangen. Diese große und wichtige Grube liegt östlich von Freiberg in einer Entfernung von 10 Minuten, und weit schon imponirt der Anblick ihrer colossalen Tag-Gebäude. Ihre Hauptlagerstätten sind die drei Erzgänge: Erzengel Stehende, Frisch Glück Stehende und Gottlob Morgengang, welche


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/29&oldid=- (Version vom 17.6.2018)