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Die feinen Schreib- und Postpapiere werden wiederholt satinirt, wodurch sie ein seidenartiges glänzendes Ansehen erhalten.

Das Papier wird, wie schon gesagt, aus Lumpen gefertigt und es geben die aus Leinen und Baumwolle die feinsten und besten Papiere, Seide hingegen, so lange sie neu ist so hoch geschätzt, giebt bei der Papierfabrikation nur die geringste Sorte – Löschpapier.

Auch aus Stroh fertigt man schon seit achtzig Jahren Papier. – Roggenstroh liefert ein zwar etwas brüchiges, aber sonst sehr gutes Packpapier, Waizenstroh ein geschmeidiges, lebhaft gelbes Papier; dunkler gelb und lichter zu verarbeiten ist das Gerstenstroh. Haferstroh ist ein vorzügliches Material zu Pappen und das daraus gefertigte hellgelbe Papier läßt sich selbst gut zum Schreiben benutzen. Eben so giebt das Stroh der Erbsen, Linsen, Bohnen und des Mais gute Packpapiere und Pappen.

In neuerer Zeit hat man auch gelungene Versuche gemacht, Papier aus Holz herzustellen.




Von der Zwickauer Mulde im Halbkreis umflossen liegt theils in einem romantischen Thal, theils am Bergeshang das uralte Penig (früher Penigk) eine Stadt slavischen Ursprungs, fünfzehn Stunden von Leipzig, zwanzig von Dresden und vier von Chemnitz und Glauchau entfernt. Es zählt gegenwärtig 4817 Einwohner, Unterthanen der erlauchten Grafen von Schönburg, welche zwei Schlösser mit großem, herrliche Parthien und Aussichten gewährenden Park hier haben. In der Nähe sind noch die romantischen Schlösser Rochsburg und Wolkenburg.

Penig zeichnete sich schon in früherer Zeit durch lebhafte gewerbliche Thätigkeit aus und im sechszehnten und siebzehnten Jahrhundert war der Einwohner Hauptbeschäftigung die Tuch- und Zeugmacherei, sowie die Schwarzfärberei. Seine beste Zeit hatte Penig im achtzehnten Jahrhundert, wo die Zeugweberei in schönster Blüthe stand und die Stadt großen Wohlstand erlangte; die Familien Roch und Zöllner, aus denen mehrere der angesehensten Fabrikanten und Handelsherrn hervorgingen, machten sich durch ihre Thätigkeit um Penigs Flor vorzüglich verdient. Fast alle große und schöne Privatgebäude der Stadt stammen aus jener Zeit, welche man mit Recht Penigs Glanzperiode nennen kann.

Doch bei Anfang unseres Jahrhunderts sank Penigs Blüthe, als die Wollenweberei von der Baumwollenweberei und Strumpfwirkerei verdrängt wurde, der Wohlstand schwand immer mehr und alle Zeichen der beginnenden Verarmung ließen sich blicken. Doch späterhin entstanden wieder ansehnliche industrielle Etablissements, die nicht nur den Einwohnern hinreichende Beschäftigung und Erwerb bieten, sondern auch den gesunkenen Verkehr wieder belebt haben, so daß die Verhältnisse der Stadt sich gegen früher wieder bedeutend günstiger gestalteten.

Die bedeutendsten Etablissements Penigs sind jetzt die mechanische Papierfabrik von Ferdinand Flinsch, die Wollendruckereien von Ambronn und Schreiber, und von J. D. Teichmann, die Plüschfabrik von Eberhard und die Spinnerei von J. G. Schmidt und Söhne. Uns vorbehaltend, auch auf die übrigen Etablissements in nächster Zeit zurückzukommen, wählen wir jetzt zur näheren Betrachtung die


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 319. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/327&oldid=- (Version vom 9.3.2019)