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und gefährlichste Aufenthalt, da der feuchte Phosphor giftige Dämpfe aushaucht, deren Wirksamkeit schon mancher Arbeiter durch Verlust seine Kinnbacken in Folge des durch Phosphorvergiftung hervorgerufenen Knochenfraßes, bitter erfahren hat.

Die völlig trocken gewordenen Hölzchen kommen nun in die Hände von Frauen und Kindern, welche dieselben in Holzschachteln oder Papierhülsen u.s.w. füllen, und die gefüllten Papierpackete wieder in kleine Kistchen packen. Ist ein Kistchen gepackt, so wird die ganze Oberfläche der darin enthaltenen Päcktchen mit Leim überstrichen und dann in scharfen Sand gedrückt, wodurch die zum Entzünden des Phosphor nöthige rauhe Fläche entsteht. Ist dieser letzte Ueberzug trocken, wird der Deckel aufgelegt, derselbe mit Papier verklebt und das Kistchen ist zum Versenden fertig.

Das Phosphorfeuerzeug hat sich in jede Haushaltung eingebürgert und jedes andere fast gänzlich verdrängt, da kein anderes so bequem und zugleich so billig ist, als eben die Streichhölzchen, und dieses erklärt denn auch die ungeheuren Massen von Zündhölzchen aller Art, welche gefertigt und verbraucht werden. Eine Fabrik in Wien liefert z. B. täglich bis zehn Millionen, und in ganz Oesterreich giebt es über zweihundert Zündrequisitenfabriken, welche über zwanzigtausend Menschen beschäftigen.

Unter den in Sachsen bestehenden Fabriken dieser Branche ist unbedingt die von Kummer und Günther in Königswalde bei Annaberg die ansehnlichste, nicht unbedeutend sind auch die Fabriken von A. F. Eckhardt in Potschappel, Lorenz in Jöhstadt, einige Fabriken in Leipzig und anderen Städten, welche zusammen wohl über tausend Menschen beschäftigen.

Zu näherer Betrachtung einiger Etablissements dieser Branche übergehend, wählen wir für erst die


Königlich sächsische concessionirte Zündrequisiten-Fabrik von Kummer und Günther in Königswalde bei Annaberg.


Wir betreten das obere Erzgebirge und von der alten Bergstadt Annaberg über den mächtigen Bielberg hinwegwandernd, kommen wir nach einer Stunde in das freundliche Dorf Königswalde, welches sich in dem tiefen anmuthigen Thale längs den Ufern der Pöhla fast eine Stunde lang hinzieht und von der von Annaberg über Jöhstadt nach Böhmen führenden Chaussee durchschnitten wird.

Hier finden wir dicht an der Chaussee liegend das Etablissement der Herren Kummer und Günther, welches aus

zwei Fabrikgebäuden, von denen das eine ein Thürmchen trägt;
einem Lagerhaus und
einem Stallgebäude mit Remisen

besteht, und welche Gebäude von einem freundlichen Garten begränzt werden.

Diese Fabrik liefert Streichzündhölzer der verschiedensten Art und Packung, sowohl mit als ohne Schwefel, Wachszündkerzchen, Cigarrenzünder, Streichschwamm, und überhaupt alle Arten Zündrequisiten.

Die Fabrikate finden ihren Absatz sowohl in Sachsen als Preußen, aber hauptsächlich auf überseeischem Wege nach Ost- und Westindien und nach Australien.


Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 340. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/348&oldid=- (Version vom 9.3.2019)