Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/38

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Diese sämmtlichen Zweige stehen unter der Oberleitung des Besitzers Herrn Fr. Chr. Fikentscher, dessen Schwiegersohn, Herr W. Mensing, auch die Procura führt.

Von den Erzeugnissen dieses Etablissements, mit welchen bis jetzt nur die Industrie-Ausstellung in München beschickt worden war, haben die Chemikalien und Thonwaaren Prämien erhalten.

Am berühmtesten und gangbarsten hiervon ist der Zinnober, sowie überhaupt das Tafelglas und die gewöhnlichen Chemikalien in der nächsten Umgebung ihre Hauptabsatzquelle haben, die übrigen Chemikalien aber auch stark im Auslande gesucht und begehrt sind.

Es ist nicht zu läugnen, daß in unserm Vaterlande die Anfertigung des Glases, namentlich des Tafelglases, sowie die Erzeugung von chemischen Producten eine gefährliche Concurrenz mit Böhmen zu bestehen hat, zumal Böhmen mit jeglicher Art von Stoffen aus dem Mineralreich und mit Brennmaterialien überaus gesegnet ist, während in Sachsen das Brennmaterial für seine vielfachen Gewerbe und stets zunehmende Bevölkerung nicht einmal zureicht.

Dahingegen hat der Reichthum Sachsens an den verschiedenartigsten Bergprodukten, die bedeutende Fabrikation in den mannigfaltigsten Branchen, insonderheit Bleiche, Färberei und Druckerei, eine Menge Anstalten für Erzeugung chemischer Producte hervorgerufen. Die unermeßlichen Fortschritte, welche die technische Chemie in neuerer Zeit gemacht hat und noch fortwährend macht, gehen an den sächsischen practischen Chemikern nicht unbenutzt verloren und thut eine stete Nacheiferung und Fortschritt mit der Zeit allerdings bei uns auch noch, da Sachsen, wie schon zum Theil erwähnt, in Bezug auf Brennmaterial und Rohmaterial nicht allenthalben günstig gegen das concurrirende Ausland gestellt ist, und durch Ersparung beim Productionsprozesse, Wirthschaftlichkeit, Benutzung aller kleinen Vortheile und Nebenprodukte, vielfach die natürlichen Nachtheile, die etwa hervortreten, auszugleichen sich bemühen muß. Um so anerkennenswerther ist ein Etablissement wie das Fikentscher’sche, das mit Umsicht unermüdlich bestrebt ist, trotz den vielfachen, durch seine Lage in Sachsen unvermeidlichen Schwierigkeiten, rüstig vorwärts zu streben, keine Concurrenz zu scheuen und in unserm Vaterlande jene so wichtigen Industriezweige heimisch zu machen. Wie sehr dieses Etablissement bestrebt ist, sich stets auf der Höhe des Zeitgeistes zu erhalten, und mit den Anforderungen der Zeit Hand in Hand zu gehen, beweiset unter Anderem die Anfertigung des Wasserglases, jenes wichtigen chemischen Produktes der jüngsten Gegenwart, das berufen ist, in der Baukunst und selbst in der Malerei eine wichtige Rolle für die Zukunft zu spielen, da es den Zerstörungen der Gebäude, Gemälde u.s.w. durch Feuer, Fäulniß und Verwitterung eine Grenze setzt!



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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/38&oldid=3473673 (Version vom 7.1.2019)