Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/48

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Gewiß eine seltene Vereinigung wichtiger industrieller Kräfte, die nicht leicht irgendwo so nahe an einander gereihet zum zweiten Male angetroffen werden dürften.

Gehen wir auf die großartige Werkstätte selbst näher ein, so müssen wir noch bemerken, daß das ganze in Feldern, Wiesen und Hofräumen bestehende Areal circa 60 Dresdener Scheffel faßt und aus acht Hauptgebäuden mit einigen Schuppen und Nebengebäuden besteht.

Die Gebäude selbst bergen in ihren Räumen, wie auch zum Theil aus dem Vorhergehenden hervorgeht:

1) die Streichgarn-Spinnerei mit Wollwäsche und Färberei v. C. M. Fiedler;
2) die mechanische Flanellweberei mit Stühlen von Louis Schönherr & Seidler
3) die Cylinder-Fabrikation von Wilhelm Brunk;
4) die Nähmaschinen-Fabrikation
5) die Baumwollspinnerei von Julius Walter;
6) die mechanische Jaquardweberei von Ufert & Eilfler, mit patentirten Stühlen von Louis Schönherr & Seidler;
7) die Maschinenfabrik von L. Schönherr & Seidler; in derselben, die mit einer großen Schmiede zu 12 Feuern, Schleiferei und Eisengießerei verbunden ist, werden mechanische Webstühle nach eigenem patentirten System für Tuch, Croisé, Satin, Damaste, Leinen, Kattune und Kettenvorbereitungsapparate, Ketten- und Schuß-Spulmaschinen, sowie auch alle andern zur mechanischen Weberei erforderlichen Maschinen und Vorrichtungen gefertiget.

Wir werden später diese einzelnen Etablissements noch besonders in’s Auge fassen und jedem einzelnen davon einen besondern Abschnitt widmen. Das Etablissement der Herren Ufert & Eifler findet seine besondere Besprechung später bei Abbildung ihres eigenen Fabrikgebäudes in der Zimmerstraße. Für jetzt bleiben wir noch bei dem Ganzen stehen und haben wir noch Folgendes dem Erwähnten hinzuzufügen.

Die vorhandene Wasserkraft wird durch 4 Turbinen benutzt, die zusammen 42 Pferdekraft ausüben, außerdem ist noch vorhanden

eine Dampfmaschine von 35 Pferdekraft,
eine dergl. von 20 Pferdekraft und
eine dergl. von 25 Pferdekraft wurde vor Kurzem aufgestellt.

Daß die Lage des Benndorf’schen Besitzthums eine höchst günstige ist, fällt sogleich in die Augen wegen der großen Nähe der Eisenbahn, und beabsichtigt auch Herr Benndorf, seinen Gebäude-Complex durch ein eigens herzustellendes Gleis mit der Eisenbahn selbst in Verbindung zu bringen, wozu die Hohe Staatsregierung ihm hoffentlich die Genehmigung wohl nicht vorenthalten wird.

Unsere Abbildung führt die Unterschrift: „Maschinen-Fabrik von Louis Schönherr & Seidler“, weil dieses Etablissement eines der wichtigsten dieser Industrie-Colonie ist; doch sollte die Unterschrift eigentlich heißen: „Die Sächsische Maschinenbau-Werkstatt in Chemnitz,“ was wir gütigst zu beachten bitten.



Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/48&oldid=- (Version vom 7.1.2019)