Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/54

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Auf den Industrie-Ausstellungen in Leipzig, Dresden, London und München haben sich diese Fiedler’schen Fabrikate einer ganz vorzüglichen Beachtung zu erfreuen gehabt und erhielten vier Mal die große goldene Preismedaille in Sachsen, und zwar 1822, 1835, 1845 und 1850, in München die belobende Auszeichnung für Tuche und Sommerstoffe.

In fortwährender Thätigkeit sind in dieser Fabrik: 8 Sortiments-Spinnmaschinen, das Sortiment zu 4 Krempeln gerechnet; incl. ein Sortiment von nur 3 Krempeln und den dazu nöthigen Feinspinnmaschinen,

20 mechanische Webstühle,

60 Handstühle,

6 Walkmaschinen,

12 Rauhmaschinen,

16 Transversal-Scheermaschinen und die nöthigen Nebenhülfsmaschinen, und werden diese außer den Handstühlen sämmtlich mit einer Turbine getrieben, welche circa 60 Pferdekraft ausübt. Außerdem finden wir hier noch beschäftigt: gegen 250 Arbeiter, zwei Procuristen, die Herren Carl Felgner und Carl Stohwasser, einen Techniker, zugleich für die Direction der Falkenenauer Fabrik, Herr Gustav Röhrens aus Cottbus, und 6 Reisende.

Der Begründer dieses Etablissements ist der am 12. August 1850 zu Oederan verstorbene Adolph Gottlob Fiedler. Am 11. August 1771 zu Oederan geboren und der Sohn des Schichtmeister und Flanell- und Golgasfabrikant Christian Gottlob Fiedler erlernte er in den Jahren von 1785 bis 1791 die Kaufmannschaft zu Pirna und conditionirte hierauf einige Jahre in einem Handelshaus zu Magdeburg; obschon er hierauf sich selbst als Flanellfabrikant etablirte und nach dem Tode seines Vaters dessen Fabrik übernahm, verwandelte er doch bald sein Geschäft in Tuchfabrikation, und widmete sich von dieser Zeit an der Vervollkommnung derselben mit einem solchen Eifer bis an den späten Abend seines Lebens, daß er viele Jahrzehnte hindurch in diesem Zweige der Industrie seinen Geschäftsgenossen als Vorbild galt; aber nicht nur seine Vaterstadt Oederan und sein Vaterland Sachsen verdanken ihm die weitere Ausbildung dieses Industriezweiges, sondern es erwarb sich auch die von ihm im Jahre 1825 in Opatowek in Polen errichtete Tuchfabrik einen so allgemeinen Ruf, daß sein Name auch im fernen Auslande die größte Achtung genoß. Welche Verdienste sich Fiedler um die Industrie erworben, und wie sehr dieselben auch höchsten Orts anerkannt worden sind, beweisen die ihm zu Theil gewordenen ehrenvollen Auszeichnungen. Nachdem ihm im Jahre 1829 das Ritterkreuz des Königl. polnischen Stanislausordens verliehen worden war, erhielt er im Jahre 1840 den K. K. russischen Orden der heiligen St. Anna und im Jahre 1847 den Königl. Sächsischen Civilverdienstorden; außerdem wurden ihm für seine in Industrieausstellungen gegebenen Fabrikate einmal die goldene Medaille von der K. K. russischen und fünfmal dieselbe von der Königl. Sächs. Regierung zu Theil.

War Fiedlers Thätigkeit auch namentlich auf den von ihm gewählten Beruf gerichtet, so darf doch ebensowenig vergessen werden, daß er auch in mancher anderen Richtung zur Hebung der Gewerbthätigkeit beigetragen und der Schöpfer von mit bedeutenden pecuniären Opfern verbundenen Unternehmungen wurde, welche das öffentliche Interesse wesentlich beförderten. Wir erwähnen hier nur die seit einer langen Reihe von Jahren von ihm besessenen Kohlen- und Kalkbergwerke, und die ausgezeichneten Privatforstculturen auf seinem Besitzthum Memmendorf und Langenstriegis, denen er bis zum Ziele seines Lebens besondere Sorgfalt widmete.

Einen seltenen persönlichen Muth, wie eine ungewöhnliche Entschlossenheit und Ausdauer hat Fiedler in der Zeit des französischen Krieges in seiner Stellung sowohl als Bürgermeister der Stadt Oederan, wie als Etapen-Commissar bewiesen; wir gedenken nur beispielsweise, wie er damals unter sehr schwierigen Verhältnissen die sofortige Lieferung sämmtlicher Bekleidungsgegenstände für zwei Militairregimenter übernahm und den Auftrag in kürzester Zeit zur vollen Zufriedenheit des Militairs ausführte, überhaupt aber durch

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 46. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/54&oldid=- (Version vom 7.1.2019)