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Die Baumwollenspinnerei von B. G. Erckel in Harthau.
(Mit Abbildung.)


Wir wandern von Chemnitz, der Metropole von Sachsens Industrie, auf der Annaberger Chaussee fort und gelangen nach einer und einer halben Stunde nach dem in einem tiefen Thal an dem Würschnitzbach schön gelegenen Dorfe Harthau, welches jetzt mit ein Hauptsitz des Fabrikwesens geworden ist und den Beweis giebt, wie rasch sich die Bevölkerung an einem Orte hebt, wo der Gewerbfleiß kräftig aufsproßt, blüht und Früchte trägt. Ohngefähr 1790 begannen hier die ersten Anfänge des Fabrikwesens und damals zählte dieser Ort kaum vierzig Häuser mit höchstens 300 Einwohnern, während er jetzt neun und neunzig bewohnte Gebäude mit 1257 Einwohnern umfaßt und ein rüstiges, reges Leben überall herrscht.

Hier liegt an den Ufern der Würschnitz eine der ersten Baumwollenspinnereien Sachsens, welche zu Anfang dieses Jahrhunderts von den Gebrüdern Bernhard begründet wurde und, ihren Besitzer mehrmals wechselnd, sich immer mehr vergrößerte und in flotteren Betrieb kam. Gegenwärtig ist Besitzer Herr B. G. Erckel.

Richten wir unsere Aufmerksamkeit näher auf die Gebäude dieses Etablissements und deren Bestimmung, so finden wir:

ein Hauptgebäude zum Betrieb der Baumwollenspinnerei;
ein Nebengebäude mit der Schmiede-, Schlosser- und Tischlerwerkstatt;
ein Nebengebäude, wo sich Stallungen und Remise befinden, und ein kleines Wohnhaus.

An diese Gebäude schließen sich einige Obst- und Baumgärten.

Das Etablissement umfaßt allein die Baumwollenspinnerei und ist das Haupterzeugniß baumwollenes Strumpfgarn, welches seinen mehrsten Absatz nach Chemnitz und dessen Umgegend findet.

Die Maschinen der Spinnerei haben 200 Pferdekraft und werden dieselben durch Wasser- und Dampfkraft zugleich getrieben. Die Zahl der hier fortwährend beschäftigten Leute beträgt 200, als: 3 Comptoiristen, 9 Maschinisten, 140 erwachsene Fabrikarbeiter, 5 verschiedene andere Arbeiter und 43 Kinder.




Spiegelglasfabrik von J. Z. Fischer sel. Söhne in Zwickau.
(Mit Abbildung.)


Die Fabrikation der Spiegelgläser war in Sachsen bisher noch nicht vertreten und war es in dieser Hinsicht stets dem Auslande, namentlich den renommirten Fabriken Böhmens und Baierns tributär, wodurch dem Lande nicht unbedeutende Summen entzogen wurden; denn der Spiegel ist ein Gegenstand, welcher sich wie in dem größten Palast so in der kleinsten Hütte zum unentbehrlichen Möbel gemacht hat. Es ist daher sehr erfreulich, daß, ohngeachtet der sehr gefährlichen Concurrenz des Auslandes, auch dieser Industriezweig in unserm Vaterlande eingeführt wurde, und verdanken wir dieses der Thätigkeit des Herrn August Fischer, Associé der Firma J. Z. Fischer sel. Söhne in Erlangen, welcher 1855 in Zwickau eine Fabrik zur Erzeugung von Spiegelgläsern in großartigem Maaßstabe gründete.

Dieses jetzt noch im Entstehen begriffene Etablissement befindet sich bei der Stadt Zwickau in der Nähe des Bahnhofs und zwar an der Zweigbahn von Zwickau nach Leipzig und der Zwickau-Schwarzenberger Bahn, sowie der Zwickauer Kohlenbahn, und besteht gegenwärtig aus zwei Hauptgebäuden, wird aber durch neue Gebäude, Maschinen u.s.w. fortwährend vergrößert. Es beschränkt sich die Thätigkeit jetzt noch ausschließlich auf die Erzeugung roher Spiegelgläser.

Besitzer des Etablissements sind unter der Firma J. Z. Fischer sel. Söhne, die Gebrüder Fischer in Erlangen, und ist es eine Commandite des berühmten Handlungshauses J. Z. Fischer sel. Söhne in Erlangen, welches in seinen in Baiern befindlichen vier Fabriken zur Erzeugung und Veredelung von Spiegelgläsern und Zinnfolien circa fünfhundert Arbeiter beschäftigt.




Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/74&oldid=3471264 (Version vom 6.1.2019)