Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/10

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Erst zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts wurden die Brauereien auf dem Lande häufiger und thaten den städtischen Brauereien bedeutenden Schaden, zudem auch nach und nach der städtische Bierzwang aufgehoben wurde, und Jeder seinen Bedarf holen konnte, wo es ihm eben am besten schmeckte. Dieses hatte wieder sein Gutes, indem die städtischen Brauer sich dadurch veranlaßt sahen, besondern Fleiß zu verwenden, ein recht gutes Bier herzustellen, um den Nebenbuhlern den Rang abzulaufen.

Jetzt gehört die Brauerei in Sachsen zu den ausgebreitetsten Gewerben, denn nicht nur haben die mehrsten Städte und Städtchen zum Theil recht großartige Brauereien, größere Städte sogar mehrere, sondern auch der bei weitem größte Theil der Rittergüter, sowie viele Hammerwerke des Erzgebirges besitzen oft sehr bedeutende und wohlrenommirte Brauereien. Nicht minder sind in neuerer Zeit viele derartige Etablissements durch Actiengesellschaften entstanden. Biere werden aller Art gebraut.

Unter den durch Actiengesellschaften entstandenen Bierbrauereien ist die hervorragendste die Societätsbrauerei zum Waldschlößchen, ferner die Bairische Bierbrauerei auf dem Feldschlößchen bei Dresden, die Actienbrauerei im plauenschen Grunde, die Medinger Brauerei, die Vereinsbrauereien in Leipzig und in Limbach, die erst in Betrieb gesetzten in Kainsdorf und in Chemnitz u.s.w. Auch unter den städtischen und in Privatbesitz sich befindenden Brauereien giebt es nicht minder viele, welche sich eines ausgezeichneten Rufes erfreuen und deren Biere weithin versendet werden.

Aber ungeachtet der bedeutenden Anzahl von Brauereien und der durch dieselben erzeugten Massen von Bier, ist dennoch der jährliche Bedarf Sachsens dadurch noch nicht gedeckt, und während es seinerseits nicht unbedeutende Quantitäten an das Ausland abgiebt, werden wieder ansehnliche Mengen bairischen und anderen fremden Bieres eingeführt und consumirt. In Rücksicht darauf sind fast alle auf Actien errichteten Brauereien darauf berechnet, ein gutes bairisches Bier zu erzeugen, welches allen billigen Anforderungen genügt, um so die Einfuhr fremden Bieres nach und nach zu vermindern und dem Lande bedeutende Summen zu erhalten.

Wir ziehen jetzt die ansehnlichste und älteste dieser Actienbrauereien in den Kreis unserer Betrachtungen,


die Societätsbrauerei zum Waldschlößchen bei Dresden.


Wandern wir auf der Bautzner Chaussee durch die Antonstadt, vorüber dem Link’schen Bade und der Felßnerschen Restauration, so erreichen wir, nachdem wir die Stadt verlassen, in fünf Minuten die aus dunklen Baumgruppen hervorleuchtenden schloßähnlichen Gebäude der Brauerei, in ihrer jetzigen neuen Gestalt eine herrliche Zierde der reizenden Umgebung Dresdens.

Der ansehnliche Gebäudecomplex besteht aus

einem vier Stockwerk hohen, fünfzehn Fenster Fronte haltenden Hauptgebäude, die Brauerei mit Gährkellern, Malztennen und Doppeldarren, sowie Beamtenwohnungen enthaltend;
einem Malz- und Gährhaus, mit Schüttböden;
zwei Lagerkellergebäuden mit Faßböden;
einem Maschinenhaus;
einem Maschinenbetriebshaus;
einer Böttcherei mit Wohnungsräumen;
Empfohlene Zitierweise:

Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/10&oldid=3080748 (Version vom 17.1.2018)