Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/124

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Die zweite Etage besteht aus 17 Pfeilern, und zwar von Nr. 8 bis mit 24. Die Etagenhöhe beträgt 36 Ellen. Die Pfeiler Nr. 8 bis mit 15 und Nr. 18 bis mit 24 sind 8 Ellen stark, die Spannung beträgt 22½ Ellen, die Pfeilerbreite in der Etagenhöhe 28 Ellen 19 Zoll, die beiden Spanngurte sind jeder 9½ Ellen breit. Das Material ist wie bei der ersten Etage, Granit, Bruchsteine und Ziegeln.

Die dritte Etage besteht aus 22 Pfeilern, und zwar von Nr. 6 bis mit Nr. 27: die Etagenhöhe beträgt 31 Ellen. Die Pfeiler Nr. 6 bis mit 15 und von Nr. 18 bis mit 27 sind 6½ Ellen stark, die Spannung beträgt 24 Ellen, die Pfeilerbreite 20½ Ellen; die Pfeiler 16 und 17 sind 12 Ellen stark, die Spannung beträgt 54½ Ellen; die Breite jedes Stammgurtes 5 Ellen.

Die vierte Etage besteht aus 22 Pfeilern, und zwar von Nr. 6 bis mit Nr. 27: die Etagenhöhe bis zur Planie beträgt 29½ Ellen. Die Pfeiler von Nr. 6 bis mit 15 und von Nr. 18 bis mit 27 sind 5½ Ellen stark; die Spannung beträgt 25 Ellen, die Pfeilerbreite 14 Ellen, der Landpfeiler Nr. 28 ist 41 Ellen lang.

Die Tragbogen, Sockel und Kämpfer der Pfeiler, die Deckplatten des Perrons, Hauptsims und Deckplatten der Balustrade sind von Sandstein oder Granit; der Pfeiler 28, sowie dessen Gründung und Strebemauern von Bruchsteinen, alles übrige von Ziegeln.

Die Brückenabtheilung besteht aus dem Landpfeiler Nr. 1, den Pfeilern Nr. 2, 3, 4 und dem Doppelpfeiler Nr. 5 mit den anstoßenden halben Bögen der dritten und vierten Etage. Die Höhe dieses Brückentheils im Brückenmittel und am Anfange des Landpfeilers Nr. 1 beträgt 27¼ Ellen, in der Mitte des Doppelpfeilers 50 Ellen. Die Pfeiler 2, 3, 4 sind in der Ziegelmauer 5 Ellen stark, die Bruchsteinmauer der Pfeiler hat 1/24 Anlauf, die Spannung beträgt 20 Ellen; der Landpfeiler ist 70½ Ellen lang mit drei 15elligen Oeffnungen durchbrochen und an den Seiten mit Futtermauern für den aufgeschütteten Erdkegel versehen; der Doppelpfeiler Nr. 5 ist im Ganzen 21 Ellen stark und mit einer 5 Ellen weiten Oeffnung durchbrochen. Die sämmtlichen Pfeilergründungen, der ganze Landpfeiler Nr. 1, die Pfeiler 2, 3, 4, 5 bis zu 29⅛ Ellen unter der Planiehöhe sind von Bruchsteinen; die Sockel, die Bindeschichten, die Bogen im Landpfeiler, die Tragebogen, die Kämpfer, die Abdeckung der Spanntrillen, der Hauptsims, der Perron, die Abdeckung der Ballustrade, die oberen Bogen der vierten Etage von Granit oder Sandstein.

Dieses Bauwerk, dessen Herstellung allerdings eine sehr unangenehme Nothwendigkeit war, erfuhr vor seinem Beginn, wie während seiner Ausführung die mannigfachsten und heftigsten Angriffe, vorzüglich wegen des enormen Kostenpunktes, und es wurden zu dessen Vermeidung eine Menge Projekte vorgeschlagen, die sich aber theils als unpraktisch, wie Verlegung der Bahnlinie, wodurch die gewerbthätigsten Städte des Voigtlandes umgangen wären, theils als unausführbar, wie die vorgeschlagene Aufschüttung eines Dammes durch das Göltzschthal, erwiesen.

Nach harten Kämpfen und der sorgfältigsten Prüfung der Projekte, wozu auch namhafte technische Autoritäten des Auslandes, wie z. B. Herr Teichmann, Inspecteur général des ponts et chaussèes in Brüssel, zugezogen wurden, begann im Frühjahr 1846 die Aushebung von vierzehn Baugruben und es konnte schon Mitte Mai der Grund von den dazu von Seiten der Regierung besonders abgeordneten Technikern untersucht werden. Letztere fanden den Grund durchgehends von festen Felsen und erklärten, daß darauf die Pfeiler unbedenklich mit der vollständigsten Sicherheit gegründet werden könnten, worauf dann am 29. Mai 1846 in der Baugrube des Pfeilers Nr. 16 (des Mittelpfeilers) mit großer Feierlichkeit der Grundstein gelegt wurde, welches Fest durch die gleichzeitige Eröffnung der Bahnstrecke von Werdau nach Reichenbach erhöht wurde.

Der Bau ging dann unter Oberleitung des Oberingenieur, Ingenieurmajor Wilken, vor sich; aber die Hoffnung der bauführenden Beamten, nun ungestört ihre ganze Aufmerksamkeit den Brückenbauten widmen zu können, ging nicht in Erfüllung, sie hatten mit fortwährenden Angriffen zu kämpfen und erst im Herbst 1847 wurde es durch eine neue Commission entschieden, daß der Bau fortgeführt werden solle.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 118. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/124&oldid=- (Version vom 9.3.2019)