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ein Gebäude für die Maschinennagelfabrik, in welcher 32 diverse, zum größten Theil durch Wasserkraft getriebene Maschinen aufgestellt sind;
ein Glühofengebäude, zunächst für die Nagelfabrik bestimmt;
zwei Holzkohlenvorrathshäuser für die Frischhütten;
ein Torfvorrathshaus für das Walzwerk;
ein Herrenhaus mit dem Comptoir und
sieben Arbeiterwohngebäude.

Außerdem sind noch die nöthigen Oekonomiegebäude vorhanden.

Zu dem Eisenhüttenwerk gehören zwei umfangreiche Torflager, welche mit umfassenden Trockenapparaten und Vorrathshäusern versehen sind.

Als Branchen umfaßt dieses Werk

die Fabrikation von Schmiedeeisengattungen aller Art,
die Maschinennagelfabrik,
die Fabrikation von Zeugarbeiten aller Art und
die Fabrikation schwarzer Eisenbleche.

Mit Ausnahme der Maschinennägel erfolgt der Absatz der Produkte dieses Werkes lediglich im Inlande, die Nägel gehen stark ins Ausland und werden theilweise selbst bis Rußland und nach der Türkei verführt.

Die Blechfabrikation erfolgt hier aus den für dieselbe auf dem Eisenhüttenwerke Schönheide erzeugten Materialen und wird lediglich bei Torffeuerung bewirkt.

Die Maschinennagelfabrik ist in ihrer Branche die älteste Sachsens und zur Zeit wohl auch die bedeutendste, denn sie erzeugt jährlich über sechzig Millionen eiserne Nägel und Stifte aller Gattungen aus starken Eisenblechen. Auch sie allein arbeitet bei Torffeuerung.

Die Maschinen dieses Etablissements werden mittelst sechs oberschlägiger Wasserräder betrieben, welche bei mittlerem Wasserstande zusammen sechzig Pferdekräfte effectuiren.

Das Eisenhüttenwerk Wildenthal beschäftigt 2 Comptoiristen, 1 Werkmeister, 2 Aufseher, 63 Arbeiter, 5 Mann beim Bauwesen, 6 Hand- und Beiarbeiter, 2 Torfmeister und 40 bis 50 Torfstecher. – Direkt und indirekt beschäftigt dieses Werk mit seinen Eisensteingruben, Torfstichen und dem Werksbetriebe selbst, durchschnittlich 180 bis 200 Arbeiter.

Hüttendirektor ist hier wie in Schönheide, Herr Hugo Edler von Querfurth.

Gegründet wurde dieses Werk im Jahre 1596 von Anargk Friedrich, Dynasten zu Wildenfels, Hauptmann des Voigtlandes, zu welchem damals die hiesige Pflege noch gerechnet wurde; erst 1598 wurde ihm von den kurfürstlichen Kommissären das Revier. Um das Hammerwerk – gewöhnlich der Neuhammer genannt – entstand dann nach und nach die Ansiedelung, welche nach dem Namen ihres Besitzers, an dem man das „Fels“ abtrennte und dafür „Thal“ anhing, die Bezeichnung Wildenthal erhielt.

Später erkaufte der Oberstlieutenant von Milkau auf Alberode das Eisenhüttenwerk, welches im Jahre 1611 mit den ausgedehntesten Privilegien ausgestattet ward, die aber im Verlauf der Jahrhunderte theils von den Besitzern selbst aufgegeben, theils auch durch Widerruf von Seiten der Staatsregierung zurückgezogen wurden. Von der Familie von Milkau erkaufte der Hammerherr Moritz Knaspe das Werk, erlitt aber 1661 großen Schaden durch die Wasserfluth, welche die Hüttengebäude fast ganz wegriß. 1770 gehörte Wildenthal dem Hammerherrn Gottschald auf Wolfgrün und es blieb im Besitz der Gottschald’schen Familie bis auf neuere Zeit, wo im Jahre 1836 der Herr Rittmeister Karl Edler von Querfurth auf Schönheide dieses Eisenhüttenwerk ankaufte.

Das Eisenhüttenwerk Wildenthal ist jetzt noch privilegirt für den Betrieb von: zwei Hohöfen, drei Stab- und Frischfeuern, zwei Zain- und Zeugfeuern, einem Blechwalzwerk, einer Blechzinnerei, einer Maschinennagelfabrik, einer Mahlmühle, einer Brettmühle und einer Hufschmiede.

Auch dieses Hüttenwerk hat zu allen Zeiten seit der Periode einer dichteren Bevölkerung des oberen

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 136. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/142&oldid=- (Version vom 11.5.2019)