Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/154

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Seit vor zwölf Jahren durch glückliche Bohrversuche der längst vermuthete Steinkohlenreichthum der Gegend zwischen Hohenstein, Lichtenstein, Stollberg und Chemnitz festgestellt wurde, sind eine bedeutende Anzahl Steinkohlenwerke entstanden und noch im Entstehen begriffen, welche sich sämmtlich im Besitz von Actiengesellschaften befinden, die auch in der Mehrzahl mit großem Glück arbeiten, so z. B. bei Ober- und Nieder-Würschnitz, Lugau, Oelsnitz, Erlbach, Lungwitz, Grüna u.s.w., und immer noch bilden sich neue Vereine und werden durch Bohrversuche neue Flötze aufgefunden, so daß wie bei Zwickau so auch hier der Steinkohlenreichthum im Allgemeinen wenn auch nicht grade zu unerschöpflich so doch auf viele Jahrhunderte bei flotter Bebauung aushaltend erscheint.

In dieser Gegend, namentlich um Würschnitz und Lugau, reihen sich Schachtgebäude an Schachtgebäude mit ihren ununterbrochen dampfenden Oessen, und oft begleitet von sehr geschmackvoll gebauten Beamtenwohnungen, und nicht selten auch sehr romantisch gelegen, und geben der ehemals ziemlich unbelebten Gegend einen ganz veränderten Anblick, der vortheilhaft für die vermehrte industrielle Regsamkeit spricht, wozu auch der Verkehr, welcher durch trefflich unterhaltene Chausseen und die Chemnitz-Würschnitzer Kohlenbahn – die in Lugau einen Bahnhof hat – wesentlich befördert wird.

Auch auf den materiellen Wohlstand der Gegend haben diese Werke bedeutenden Einfluß, da eine Menge Menschen bei dem Kohlenabbau – als Bergleute sind angeblich allein über 2000 Mann beschäftigt – und den Tagebauten, sowie bei dem Transport der Kohlen Beschäftigung, andere wieder durch belebten Verkehr Gewinn ziehen. Endlich möge noch bemerkt werden, daß der Wohlstand der Grundbesitzer dieser Gegend im Allgemeinen seit Entstehung der Kohlenbergwerke sich bedeutend gehoben, indem sie einen ansehnlichen Pacht für Benutzung des Unterirdischen ihres Besitzthums beziehen.

In diesem Steinkohlengebiet liegt an dem Ufer des Oelsnitzbaches das Dorf Lugau, von Chemnitz und Zwickau je zwei Meilen, von Hohenstein drei Viertelmeilen, von Stollberg eine halbe Meile entfernt. Seine Bewohner beschäftigten sich früher, außer mit der Landwirthschaft, hauptsächlich mit der Weberei von wollenen Zeugen, mit der Strumpfwirkerei, wo sich die hiesigen Meister zu der Innung in dem benachbarten bedeutenden Fabrikdorf Oelsnitz – über dreihundert Meister mit mehr als siebenhundert Stühlen – halten und mit der Arbeit in der Meinertschen Baumwollspinnerei, die zu den bedeutenderen Sachsens gehört; zu diesen Erwerbszweigen kam nun noch die Beschäftigung bei den Kohlenbergwerken.

Von diesen Kohlenbergwerken wählen wir vorerst zwei der in den Fluren Lugaus liegenden zu näherer Besprechung aus, den Westphalia-Schacht und den Rhenania-Schacht.


Der Westphalia-Schacht


ist im Besitz der Actiengesellschaft: Lugauer Steinkohlen-Abbauverein Westphalia, und wurde im Herbste 1856 begonnen, bis September 1859 hatte der Schacht eine Tiefe von 165½ Lachtern erreicht und war im Rothliegenden niedergebracht; im Januar 1860 erreichte man das erste Flötz und es wurden bis April noch vier weitere Flötze durchteuft. – Die zu dem Schacht gehörigen Tagegebäude, im Jahre 1857 in Angriff genommen, sind theilweise 1857, theilweise erst 1859 vollendet. Bis September 1858 wurde die achtpferdige Dampfmaschine zur Förderung und Wasserhaltung benutzt; um diese Zeit erfolgte

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 148. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/154&oldid=- (Version vom 11.5.2019)