Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/160

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eine Dampfmaschine von elf Pferdekraft zur Förderung, früher auch zur Wasserhaltung gebraucht, und
eine zweite Dampfmaschine von sechs und dreißig Pferdekraft zur Wasserhaltung, jedoch nach Befinden auch zur Förderung zu benutzen.

Die Schächte der Westphalia und der Rhenania haben jeder im Lichten eine Länge von 15½ Elle und eine Breite von 3¾ Ellen und sind also bis jetzt die größten Schächte im sächsischen Kohlenbassin.

Die Gesellschaften Westphalia und Rhenania sind in Bezug auf den Geschäftsbetrieb vereinigt und haben ihr Bureau, das sich früher in Lichtenstein befand, gegenwärtig nach Zwickau verlegt.




Leipzigs Industrie.


Leipzig, durch glückliche Verhältnisse und ausgedehnte Verbindungen begünstigt, war von jeher mehr Handelsstadt als Fabrikort und wurde dieses noch mehr, als die schon im zwölften Jahrhundert privilegirten Märkte endlich zu Messen wurden, Friedrich der Sanftmüthige zu der schon früher bestandenen Jubilate- oder Ostermesse und der Michaelismesse 1458 noch die Neujahrsmesse fügte, und Kaiser Maximilian I. 1497 nicht nur diese Messen bestätigte, sondern einige Jahre später – 1507 – der Stadt auch das Stapel- und Niederlagsrecht verlieh. Ein großer Theil der Einwohner beschäftigte sich nun mit dem Handel nach allen Weltgegenden und es gab nur die gewöhnlichen städtischen Handwerker hier, unter denen in erster Zeit die Gerber sehr zahlreich vertreten waren; nur die Tuchmacherei oder Wollenweberei wurde in früheren Zeiten gleich wie in den meisten sächsischen Städten auch hier lebhaft und nach damaligen Begriffen fabrikmäßig betrieben, und durch mehrere Privilegien geschützt; 1470 nannte man die Tuchmacherei das blühendste und schwunghafteste Gewerbe der Stadt. Allein je lebhafter Leipzigs Messen wurden, je mehr vernachlässigte man diesen Industriezweig, und er schwand endlich so ganz, daß er in Leipzig gegenwärtig gar nicht mehr vertreten ist.

Dagegen wurden in späteren Zeiten andere Industriezweige hier eingeführt, welche sich in der neueren Zeit vorzüglich schnell entwickelten, der jetzige Zeitgeist, welcher Alles mit Maschine, Alles im großartigsten Maßstabe betreiben will, regte sich auch hier, angefeuert durch das Beispiel anderer großer Städte erwachte der industrielle Geist Leipzigs und so hat es sich eine Industrie der verschiedenartigsten Branchen ausgebildet, durch welche es in die Reihe der bedeutendsten Fabrikstädte Sachsens tritt, und die gewisse Aussicht hat, in vielleicht nicht zu langer Zeit zu den ersten Fabrikstädten Deutschlands gezählt zu werden, wie es unbestritten schon unter dessen ersten Handelsstädten ehrenvoll glänzt und da wahren Welthandel entwickelt.

Wir geben eine nach dem Alphabet geordnete Aufführung der jetzt in Leipzig und seiner nächsten Umgegend betriebenen Fabrik- und Manufakturzweige, wodurch am besten deren Vielseitigkeit und die Bedeutung Leipzigs als Fabrikstadt nachgewiesen werden kann.

Argentanwaaren werden fabrikmäßig in zwei Etablissements dargestellt. – Die Bierbrauerei ist durch fünf große Etablissements vertreten, von denen als das bedeutendste die Vereinsbrauerei genannt werden kann; alle erfreuen sich eines guten Rufes und sie produziren hauptsächlich leichte Lagerbiere. Die


Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 154. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/160&oldid=- (Version vom 11.5.2019)