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sind in diesen Fabriken thätig, und in der Umgegend finden noch eine Menge Hände lohnende Arbeit dabei, denn auf den Dörfern befinden sich viele Faktoreien, die für leipziger Grossisten arbeiten; außerdem beschäftigen einige Häuser die in den Strafanstalten Detinirten mit der Anfertigung von Cigarren. Die Zahl der so von Leipziger Häusern Beschäftigten wird im Ganzen auf sechstausend angegeben. Unter den Firmen befinden sich zum Theil sehr alte, wie Kreller u. Co., Quandt u. Mangelsdorf u.s.w. Mit besonderer Auszeichnung werden noch genannt Apel u. Brunner, Böhme u. Co. u.s.w.

Die Damenhutfourniturenfabrik von Sandmann und Enke macht Leipzig von den Berliner Fabriken unabhängig und liefert schöne und billige Waare.

Eine Dampfmahlmühle befindet sich dicht bei Leipzig in Neuschönfeld.

Die Färberei und Zeugdruckerei ist hauptsächlich durch Chevalier u. Sohn vertreten, außerdem giebt es noch neun Färbereien.

Die Filetwaarenfabrik von R. Götze ist in ihrer Branche die bedeutendste Deutschlands und beschäftigt in guter Zeit gegen zweihundert Arbeiterinnen. Sie fertigt alle Luxusartikel in Filet (Seidenfilet) wie: Umschlagetücher, Coiffures, Handschuhe u.s.w. Die Handarbeit fällt in dieser Branche immer noch viel geschmackvoller aus, als die Maschinenarbeit.

Fünf Etablissements beschäftigen sich mit Fournierschneidereien, deren Maschinen größtentheils durch Dampfkraft getrieben werden; die Anstalt von Schmidt Söhne wird als besonders vielseitig und mit den neuesten Maschinen ausgestattet erwähnt.

Berühmt ist die Gasmesserfabrik von A. Siry, Lizars und Co., deren Fabrikat sich durch seine große Genauigkeit auszeichnet und weit über Deutschlands Grenzen verbreitet ist.

Die jetzt so beliebten feuerfesten Geldschränke werden von sieben Unternehmern gefertigt, von denen die von C. C. Kästner gelieferten Fabrikate ihre Feuerprobe glücklich und ehrenvoll bestanden haben.

Die Gold- und Silberdraht- und Gespinnstfabrikation gehört ebenfalls zu den ältesten Industriezweigen Leipzigs und es hat darin alle Zeit guten Ruf behauptet. Zu der Zeit als die Spanier in den Niederlanden wütheten und um ihres Glaubens willen Tausende der fleißigsten und geschicktesten Arbeiter vertrieben, kam – 1588 – der Fabrikant Heinrich Ryssel aus Mastricht nach Leipzig und verpflanzte seine Kunst hierher, wo er unter dem Schutz der Regierung arbeitete. Seine Nachkommen, die in Leipzig sehr angesehen und weit verbreitet waren, späterhin auch in den Adelsstand erhoben wurden, waren lange Zeit im Alleinbesitz dieser Kunst. Endlich brachten sie die Kaufleute Apel, Bose und Graf an sich und erweiterten dann die Fabrikation bedeutend. Anfang unsers Jahrhunderts gab es drei dieser Fabriken, gegenwärtig aber fünf, deren Waaren größtentheils in das Ausland gehen.

Damit kein Zweig der Industrie hier unvertreten sei, giebt es auch eine Guano- oder Poudrettenfabrik von großer Ausdehnung hier, ein für die Landwirthschaft um so wichtigeres Unternehmen, als die Lager des echten Guano sich zu erschöpfen beginnen und eine bedeutende Preissteigerung in Aussicht steht.

Die Gypsfiguren- und Stuccaturfabrik von J. A. Dittrich, die einzige Leipzigs, liefert ebenso solide als feine und geschmackvolle Arbeiten.

Zwei Harmonikafabriken liefern wegen ihrer Dauerhaftigkeit und ihrem angenehmen Ton sehr gesuchte Instrumente.

Mit Holz-, Bret- und Schneidemühlengeschäften beschäftigen sich fünf Etablissements. Die Mühlen sind sämmtlich mit Dampfkraft betrieben. Das Etablissement von Bäßler und Bomnitz fand bereits ausführlichere Besprechung (Band 2, Seite 12).

Holzbronce-, Gold- und Bilderleistenfabriken existiren vier, wo besonders die Goldleisten von Pietro del Vecchio als in jeder Hinsicht ausgezeichnet gerühmt werden.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 156. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/162&oldid=- (Version vom 11.5.2019)