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G. Geitner’s Baumschule in Planitz.


Das Gartenetablissement des Herrn Gustav Geitner in Planitz bei Zwickau, wo die eigentliche Treibegärtnerei bereits früher (Band I, pag. 131) besprochen wurde, ist jedenfalls in seiner jetzigen Ausdehnung das bedeutendste Sachsens und reiht sich würdig den bedeutendsten Deutschlands an, und hat sich – trotz mehrerer Vorurtheile, die gegen dasselbe verbreitet waren – nicht nur in Europa, sondern auch in fernen Welttheilen den ehrenvollsten Ruf errungen, sowohl wegen seiner Reichhaltigkeit, als auch wegen des regen wissenschaftlichen Sinnens, welcher hier herrscht, und der von maßgebender Seite allgemein und ehrend anerkannt ist; nicht minder hat zu diesem schönen Resultate die strenge Solidität beigetragen, mit welcher von hier alle Aufträge, der größte, wie der kleinste, ausgeführt werden, denn dafür, daß von hier aus nur die richtigen Namen expedirt werden, spricht schon die Thatsache, daß Anstalten, die sonst in ihren Verbindungen sehr vorsichtig, fast ängstlich sind, von Herrn Geitner ihren Bedarf beziehen. – Die mehr und mehr sich ausbreitenden Verbindungen dieses Etablissements und die Vorzüglichkeit der von hier abgegebenen Pflanzen beweist unter Andern die Thatsache, daß ein namhafter botanischer Garten Nord-Amerikas seinen Bedarf an Palmen u.s.w. von Herrn Geitner bezog, ein gewiß seltener Fall, daß von Sachsen aus Palmen nach Amerika versendet wurden. Die Pflanzen gedeihen sehr wohl, und es suchten von da an noch andere dortige Etablissements die Verbindung mit Herrn Geitner, welches wohl nicht der Fall gewesen wäre, wenn die erwähnten Sendungen keine ausgezeichneten waren.

Solche Thatsachen sprechen auch am Besten für die Nichtigkeit der erwähnten ungerechten Vorurtheile. Eins derselben war die ziemlich verbreitete Annahme, als würden hier die Pflanzen durch das unterirdische Feuer übertrieben und könnten dann anderswo nicht gedeihen, daher sei das für von diesem Etablissement ausgegebene Geld somit weggeworfen. – Es werden aber die Pflanzen hier um keinen Grad wärmer gehalten, als anderswo, da es hier, wie in allen wohleingerichteten Gärten Häuser von verschiedenen Wärmegraden giebt, von dem frostfreien Conversatorium bis zu dem Treibhause, indem durch zweckmäßige Röhrenleitungen die unterirdische Wärme in verschiedenen Graden – je nach Bedürfniß – in die einzelnen Häuser geführt wird. In Bezug darauf sagt eine Gartenschrift: „es wird wohl gleichgültig sein, ob ein bezahlter Arbeiter einige Körbe Kohlen in die Oefen schüttet, oder ob freundliche Gnomen das unterirdische Feuer schüren.“ – Im Gegentheil zu der angeblichen Verweichelung kann man sogar behaupten, daß eben hier die Pflanzen auf eine Art abgehärtet werden, wie nicht leicht anderswo, denn selten dürfte es vorkommen, daß, wie es hier geschieht, im Dezember bei Sturm oder 6 bis 8° Reaumur die Palmenhäuser noch gelüftet werden. Das bei richtiger Behandlung fröhliche Gedeihen der von hier versendeten Pflanzen war die beste Widerlegung dieser Vorurtheile, welche dann auch in den angesehensten Gartenschriften in namhaften Fachmännern, die nun aus eigener Erfahrung sprechen konnten und da nicht schweigen durften, wackere Bekämpfer fanden und jetzt zum größten Theil verschwunden sein dürften.

So ist denn dieses höchst interessante Etablissement in fortschreitender Ausdehnung begriffen, welcher selbst die Stürme des Jahres 1859 nicht ganz Einhalt zu gebieten vermochten, denn nur die Ananastreiberei erfuhr Einschränkungen, während hingegen die Pflanzenkultur sich mehr ausdehnte, so daß sie gegenwärtig in vierzehn Glashäusern betrieben wird.

Die Kultur der Freilandpflanzen war zeither noch die schwächste Seite des Geitnerschen Etablissements, in Verhältniß zu dem Anderen selbst unbedeutend zu nennen. Um aber auch hierin das Möglichste

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 161. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/167&oldid=- (Version vom 11.5.2019)