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das Bleichen von Strümpfen, langen Waaren, baumwollenen und wollenen Garnen, sowie
das Reinigen bunter Waaren und Stärken derselben.

Die Waaren gehen, nachdem sie nach Wunsch bearbeitet sind, wieder an die Lieferanten, größere Handelshäuser in Stollberg, Glauchau, Hohenstein, Ernstthal, Lichtenstein, Chemnitz und der ganzen Gewerbe treibenden Umgegend, zurück, von wo aus sie dann zum größten Theil exportirt werden.

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Wir benutzen die Gelegenheit, um hier zugleich Einiges über das interessante Langenlungwitz zu sagen, unter welchem Namen man die einzelnen Theile dieses Dorfes Abtei-Oberlungwitz, Ober-Lungwitz, Nutzung-Ober-Lungwitz und den schon erwähnten Steinberg zusammen bezeichnet, und welches das größte Dorf des Erzgebirges ist, da es sich in einer Länge von fast zwei Stunden ausdehnt. Die Bevölkerungszahl ist dieser Länge entsprechend. Abtei-Oberlungwitz, welches zu dem Gerichtsamt Stollberg gehört, zählt 87 bewohnte Gebäude mit 957 Einwohner, Ober-Lungwitz mit der Nutzung und dem Steinberg zu den schönburgischen Receßherrschaften gehörend, zählt mit den genannten einzelnen Theilen zusammen 353 bewohnte Gebäude, in denen 4074 Einwohner leben. 1816 befanden sich hier etwas über 2000 Bewohner, es hat sich also deren Zahl in der Zeit von noch nicht fünfzig Jahren mehr als nur verdoppelt.

Dieses Dorf zeichnete sich schon in früheren Jahrhunderten durch seinen regen Gewerbfleiß aus und es wurde darin durch die Aebte in Grünhain, denen es zum Theil gehörte, aufgemuntert. Frühzeitig auch erfreuten sich die Bewohner mancher Vorrechte. So wurde das Dorf bereits im sechszehnten Jahrhundert dahin privilegirt, daß die dasigen Einwohner, so viel deren angesessen waren, ein jeder für sich brauen, das gebraute Bier verzapfen, Wein schenken, Salz zum Verkauf einlegen und jedes Handwerk treiben könne, ohne von Jemand daran behindert zu werden. Dieses Privilegium wurde am 20. Juni 1681 zum letzten Male von dem Kurfürst Johann Georg III. erneuert.

Die wichtigste Beschäftigung der Einwohner ist die Strumpfwirkerei, und dann die Baumwollenweberei. Die Strumpfwirker bilden eine Innung, die 1757 gegründet wurde, der gegenwärtig über 120 Meister angehören, und die ein eigenes Meisterhaus besitzt. Die Zahl der mit Strumpfwirkerei beschäftigten Stühle dieser Meister beläuft sich über 1000.

Das Dorf besitzt neun Mahlmühlen, zum Theil mit Bret- und Oelmühlen verbunden, und unter diesen auch eine Dampfmühle, in deren Gebäuden sich früher eine ziemlich großartig betriebene Baumwollspinnerei (die Tetznersche) befand. Außerdem findet man hier vier Brauereien, nämlich bei jedem Gasthofe eine.

Außerdem finden jetzt auch viele Bewohner bei dem Steinkohlenbergbau Beschäftigung, da hier ebenfalls ein Kohlenwerk entstand, und weitere ansehnliche Kohlenwerke sich in der Nähe befinden.



Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 168. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/174&oldid=- (Version vom 17.1.2018)