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Mitweida.


Zu den Fabrikstädten Sachsens, welche schon in der frühesten Zeit zu den wichtigeren zählten und diese Wichtigkeit bis in die neueste Zeit trotz aller Schwankungen, trotz aller Unglücksfälle, welche oft Alles zu vernichten drohen, und oft lange und empfindliche Pausen hervorriefen, behauptet haben, gehört auch das uralte Mitweida in dem reizenden und oft wild romantischen Zschopauthale, welches letztere überhaupt ein Sitz des Gewerbfleißes genannt werden kann, wie auch die Zschopau fast überall der Industrie dienstbar ist.

Die Lage Mitweidas ist der Entfaltung gewerblicher Thätigkeit sehr günstig, gutgebaute Straßen und vorzüglich die kaum eine Viertelstunde entfernte chemnitz-riesaer Eisenbahn erleichtern den Verkehr nach allen Richtungen. Von den blühenden Fabrikstädten Frankenberg und Hainichen ist es zwei Stunden entfernt, von Chemnitz vier, von Leipzig vierzehn und von Dresden fünfzehn Stunden, Entfernungen, die jetzt allerdings durch die Eisenbahnen bedeutend abgekürzt sind.

Mitweida, in der gemächlichen Volkssprache die Mitwaad – in alten Urkunden bisweilen auch Mitwerda genannt – ist einer der ältesten Orte Sachsens und es verdankt seine Entstehung den einst diese Gegend bewohnenden Sorbenwenden, die, nach Vermuthungen namhafter Geschichtsforscher, hier einen besuchten Opferort hatten, als welcher der sogenannte Galgenberg bezeichnet wird. Wir finden Mitweida bereits 922 erwähnt und es war schon damals wegen seines Bergbaues berühmt, welcher späterhin, bis in das fünfzehnte Jahrhundert in hoher Blüthe stand.

Ueber diesen Bergbau bei Mitweida und der Umgegend liegen noch eine Menge alter Berichte vor, welche beweisen, in welcher Ausdehnung derselbe damals betrieben wurde, so die schriftlichen Nachrichten vom Pater Dominicus, des Sixtus Harder, des Bergbeamten und späteren Bürgermeisters von Mitweida, Thomas Rüdiger.

Nach dem Bericht des Pater Dominicus baute man vom Jahre 927 an bis 1134, wo die Abmessungen nach Fundgruben und Maaßen aufkam, folgende Gruben nach sieben Lehnen:

1) „alte Fundgrube und Heereszug“ zu Biensdorf, auf Kupfer und Blei; auf dem Heereszug waren nur allein 250 Wasserknechte, und diese Grube gab von 928 bis 1423 beständig reiche Ausbeute;
2) „alte Hoffnung Gottes“ Zug zu Schönborn auf Silber und Kupfer;
3) „Aller Seelen“, 4) „Aller Heiligen“ und 5) „Sankt Bartholomäus“ Zug zu Grumbach auf Silber und Kupfer;
6) „Beherzter Staaras“ Zug (soll wohl heißen: „Harras“) zu Lichtenau;
7) „Sankt Cyriakus“ zu Falkenhain;
8) die Zeche zum „Dornbusch“ bei Schönborn;
9) die „drei Fichten“, 10) „Sankt Franziskus“, 11) „Sankt Hubertus“ und 12) „Frohnleichnam“ bei Krumbach;
13) „goldner Stern“ bei Ottendorf;
14) „Hans von Staaras“ (Harras) Zug bei Zschöpchen;
15) „heilige Kreuz“, 16) „Sankt Joseph“ und „Maria“ Zug im Hengstbusche bei Schönborn;
17) „Lichtenhains“ Zug bei Lichtenau;
Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 194. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/200&oldid=- (Version vom 11.5.2019)