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Die Bleich- und Appretur-Anstalt von Karl Gocht in Ebersbach.


An dem westlichen Ende des gewerbreichen Dorfes Ebersbach in der Ober-Lausitz, in Nieder-Ebersbach – zieht ein ziemlich isolirt gelegener bedeutender Complex von Gebäuden, unter denen sich besonders ein hoher Trockenthurm auszeichnet, die Augen des die Chaussee von Zittau nach Neusalza und Neustadt passirenden Reisenden auf sich, es ist dieses die Bleich- und Appretur-Anstalt von Karl Gocht, welche in ihrem Umfange nicht nur als eine der größten der Oberlausitz, sondern ganz Sachsens dasteht und auch nach ihren Leistungen hinter keiner anderen derartigen Anstalt zurückbleibt.

Das Etablissement hat eine überaus freundliche Lage an einem von der westlichen Seite des Kottmar entspringenden und der Spree zueilenden Bache, welcher seltsamer Weise noch keinen Namen führt. Die Gebäude zerfallen in zwei Complexe, die eigentlichen Bleich- und Appreturgebäude und das Buschmühlengrundstück, welche zusammen zwei Haupt- und neun Nebengebäude umfassen.

Die Bleicherei hat

ein Hauptgebäude, in dem sich vier Loch-Walken und ein Hydroextracteur befinden;
einen Trockenthurm von vier und einem halben Stock Höhe, mit einem Trockenraum von viertausend Kubikellen, heizbar mittelst Luftheizungsapparat; im Parterre des Thurmes befindet sich die Stärkemaschine mit Stärkerei; an den Trockenthurm stößt
das Rauchhaus (Bleichhaus) mit Dampfkocherei mittelst Dampfkessels von sechs Pferdekraft, zwei Brühkufen und zwei Dampfkochfässern zu je einhundert fünf und zwanzig Stück Creas Inhaltraum, zwei Schweifen, vier Chlor- und vier Säurekufen und zwei Laugenkufen; sämmtliche Kufen sind aus massiven Granitwänden zusammengesetzt;
ein Lufttrockenhaus von einhundert sechs und zwanzig Ellen Länge, zum Aufspannen von einhundert vier und dreißig Stück Creas; außer diesem sind noch einige Nebengebäude vorhanden.

Das Buschmühlengrundstück umfaßt

ein Hauptgebäude, welches zwei Calandermangeln enthält, und einige Nebengebäude, enthaltend sechs Loch-Walken, eine Einsprengemaschine, eine Presse und die Drehbank zum Bau und Abdrehen der Mangelwalzen von Papiermachee.

Die von diesem Etablissement vertretenen Branchen sind:

die Bleiche von rohleinenen, rohbaumwollenen, sowie aus Leinen und Baumwollen gemischten Webewaaren, vorzüglich aber die Nachbleiche der leinenen Creas und Weben, die von bereits etwas angebleichtem Leinengarn gewebt wurden, und hier das höchste Weiß empfangen, und die Vollbleiche für Creas und Weben;
das Stärken der gebleichten Stoffe;
Mangel- und Waschappretur von bunten baumwollenen Köper und Jacquards, als Jacquards, Slakirs, Stambulchalis, Ibraimes, Atlas, Croisees, Mouchares, geflammte Mamliees, karrirte Köper, Kruschewaz und Salamies mit Gold.

Die Bleichwaaren finden ihren Hauptabsatz nach Hamburg, Bremen, Havanna und allen westindischen,

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 201. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/207&oldid=- (Version vom 11.5.2019)