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2) er beseitigt durch seine große, höchst vorteilhafte Porosität (Luft) das lästige Schmieren (Waschen) bei dem Mahlen und verhindert das Poliren (Glattwerden) des Steines;
3) er gewährt durch diese ausgezeichneten Eigenschaften den Vortheil, nicht nur überhaupt damit viel fertig zu machen, sondern auch die größte Ergiebigkeit zu erzielen; denn in Vergleich zu andern beträgt der Mehrbetrag mindestens an Volumen 1/8 und an Gewicht 1/30;
4) eignet er sich auch zum Entschälen der Körner von allen Sandsteinen am besten, und macht hierdurch zugleich den französischen Stein entbehrlich oder ersetzt ihn doch vollständig, und es ist daher dort, wo man nicht mehrere Paar Steine neben einander im Gange haben und die Arbeit darauf vertheilen kann, sondern mit einem Paar Steine alle Arbeiten verrichten muß, wie bei Windmühlen u. dergl., stets mit Jonsdorfer Mühlsteinen das beste Resultat und eine Ergiebigkeit zu erreichen, wie sie sich weder mit Steinen aus französischen noch mit anderm deutschen Material – allein angewendet – erzielen läßt.“

Der zu Mühlsteinen taugliche Quadersandstein von Jonsdorf, welcher – wie wir nachher weiter zeigen werden – nur auf einem verhältnißmäßig kleinen Raum gefunden wird, besitzt ein härteres und festeres Bindemittel als die meisten andern und dieses kann in chemischer Beziehung nur mit einer glasigen Substanz verglichen werden, wiewohl es keine gleichartige glasige Masse bildet, sondern meist als feintraubiges Mittel erscheint, in welches die Quarzkörner, die in der Regel die Größe eines Hirsekornes haben, bisweilen aber auch bis zu dem Umfange einer Kirsche anwachsen, eingehüllt werden. Durch diesen Kitt erlangt dieser Sandstein seine vorzügliche Harte und Schärfe, in welcher ihm kein anderer Sandstein gleichkommt, eben so wenig wie in Hinsicht auf seine Porosität, welche außerordentlich genannt werden kann und einen zweiten wesentlichen Vorzug dieses Materials bildet. Diese Porosität gestattet, daß ein kräftiger Mann durch eine mehrere Zoll starke Sandsteinsäule mit dem Munde Wasser hindurch pressen kann, welches auf der entgegengesetzten Seite wieder hervortritt; es kann dieses Experiment dem Besucher der Brüche von jedem Steinbrecher gezeigt werden.

Der Sandstein von Jonsdorf hat noch eine besondere Eigenschaft, er enthält Alkalien, welche bei den meisten andern Sandsteinen gänzlich fehlen. Apotheker Reichel in Chemnitz hat mit den Sandsteinen von Jonsdorf chemische Untersuchungen angestellt und dabei von dem der sogenannten weißen Wand, wo sich die Mühlsteinbrüche befinden, folgende Analyse gefunden. Hundert Theile Sandstein enthalten:

Chemisch gebundene Kieselsäure = 0,955
Kalkerde = 0,010
Thonerde = 0,150
Talkerde = 0,002
Eisenoxyd = 0,374
Manganoxyd = 0,016
Natron = 0,024
Salzsäure = 0,003
Huminsäure = 0,066
Bituminöses Harz = 0,032
Kohle und Schwefel = Spur
Wasser = 0,850
Quarzsand = 97,499
= 100,000

Dieser Sandstein enthält also nach der Analyse 2,5 lösliches Bindemittel.[1]


  1. Reichel, die Basalte und säulenförmigen Sandsteine der Zittauer Gegend. Leipzig 1852.
Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 217. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/223&oldid=- (Version vom 11.5.2019)